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150 Jahre Gewerkschaft

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Barrikaden
Barrikadenkämpfe vor dem Köllnischen Rathaus zu Berlin in der Nacht vom 18. zum 19. März 1848. | aus: Leipziger Illustrirte Zeitung 1848, abgedruckt in: Gerhard Beier, Schwarze Kunst und Klassenkampf, Bd. 1, 1830-1890, Frankfurt/M 1966, S. 207.
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Unter dem Donner der Revolution 1848 betraten die Buchdrucker die gesellschaftliche Bühne. Auf den Märzbarrikaden in Berlin und in den Verfassungskämpfen in Sachsen und Baden waren sie vorn mit dabei, zahlten dafür einen hohen Blutzoll. Sie kämpften für Pressefreiheit, das allgemeine und gleiche Wahlrecht, aber auch für eine gedeihliche materielle Existenz. Sie wurden zu Geburtshelfern der Demokratie und sind die Gründerväter der modernen deutschen Gewerkschaftsbewegung.

1848, Deutschland wurde von der revolutionären Stimmung erfasst, die sich in Europa ausbreitete. Mittendrin: der Arbeiter, die Arbeiterin. »Von Westen her wehte der begeisternde Odem der Emanzipation«, so die Buchdruckergehilfen. Der Stand der Arbeiter hätte erkannt, »dass auch er Ansprüche an das Leben und seine Freuden habe, dass auch er Rechte haben müsse, da man ihm ja der Pflichten so viele aufbürde.« Und sie stellten unmissverständlich klar, worum es ihnen ging: »Nicht die politische Freiheit allein ist es, welche der Arbeiter so schmerzlich entbehren musste; wie weit mächtiger noch ist sein Ruf nach Brot und Obdach.« Die qualifizierten, fleißigen Buchdrucker in Aufruhr. Was war geschehen?

Das Buchdruckgewerbe hatte weit mehr als 300 Jahre hoch arbeitsteilig und streng geregelt wie zu Gutenbergs Zeiten funktioniert, doch dann kam es zu einer rasanten technischen, aber auch gesellschaftlichen Entwicklung. Mit der Konstruktion der Schnellpresse durch Friedrich König und Friedrich Bauer zu Beginn des 19. Jahrhunderts, sowie der Einführung der Gewerbefreiheit mussten die Buchdrucker ihre ersten Erfahrungen mit der Arbeitslosigkeit machen.

Die in vielen Offizinen (Druckereien) blühende »Lehrlingszüchterei« bedrohte zudem an allen Druckorten zusätzlich Arbeitsplätze und Einkommen der Gesellen. Geklagt wurde: »In manchen Offizinen stehen neben zwei Gehilfen 10 - 12 Lehrlinge, welche 4 - 5 Jahre den selbstsüchtigen Zwecken ihrer Prinzipale dienen müssen.« Die Folge war ein so geringer Verdienst, dass »die erste Pflicht des Staatsbürgers, die Gründung einer Familie, dem gewissenhaften Buchdrucker als eine unverantwortliche Sünde erscheinen musste.« Und dagegen wehren konnte er sich nicht: Für die Gehilfen galt noch die Reichszunftordnung von 1731, die aufständige oder streikende Gesellen ins Zuchthaus schickte.

Die Buchdrucker waren es gewohnt aus den alten Zeiten des Postulats, als sie alle Angelegenheiten ihres Gewerbes entweder selbständig oder gemeinsam mit den Prinzipalen weitgehend paritätisch regelten, sich mit den Druckereibesitzern auf gleicher Augenhöhe zu verständigen. In Preußen allerdings war das Postulat 1803 und in Bayern 1804 verboten worden, was für die Gehilfen die Verschlechterung ihrer Arbeits- und Lebensbedingungen nach sich zog. In Berlin demonstrierten am 14. März 1848 Gehilfen und Prinzipale zusammen für die »Pressfreiheit«. Am 19. März, bei der Ausgabe von Waffen durch die städtischen Behörden, mussten die Buchdrucker allerdings erfahren, dass nur die, die einen selbständigen Erwerb nachweisen konnten, Waffen bekämen oder wenn sie zusammen mit den Druckereibesitzern eine Korporation bildeten.

Barrikaden
Barrikadenkämpfe vor dem Köllnischen Rathaus zu Berlin in der Nacht vom 18. zum 19. März 1848. | aus: Leipziger Illustrirte Zeitung 1848, abgedruckt in: Gerhard Beier, Schwarze Kunst und Klassenkampf, Bd. 1, 1830-1890, Frankfurt/M 1966, S. 207.
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Gutenberg 1848
Titelseite der ersten Ausgabe des »Gutenberg« | Quelle: Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung
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Diese Nachricht verbreitete sich unter den Kollegen wie ein Lauffeuer und wurde zum Weckruf der Berliner Gehilfenschaft. Sie forderte die Druckereibesitzer auf, mit ihnen eine Korporation zu bilden und überreichte ihnen am 26. März einen Katalog mit acht Forderungen zur Verbesserung ihres Verdienstes und ihrer Arbeitsbedingungen. An anderen Druckorten wurden ähnliche Forderungen gestellt. Aber während es in Leipzig und Breslau den Gehilfen im April gelang, jeweils einen Tarif abzuschließen, scheiterten die Bemühungen an den meisten anderen Orten. Auch die Berliner Prinzipale verweigerten sich. Also traten in Berlin am 28. April etwa 600 Gehilfen in ihren ersten Streik. Ihre Forderungen konnten sie unter den herrschenden Bedingungen nicht durchsetzen. Aber die Prinzipale sagten zu, die »Angelegenheiten bis zum 1. Juni« regeln zu wollen. Außerdem durfte niemand für die Teilnahme am Streik gemaßregelt werden. Dieses Streikergebnis, ein Patt, entsprach dem allgemeinen politischen Zustand. Es war noch nicht entschieden, wer siegen würde: Fortschritt oder Reaktion.

Die Berliner Buchdrucker hatten im Verlauf des Streiks erkannt, dass sie, wenn sie ihrer Sache mehr Einfluss und Rückenwind verschaffen wollten, eine eigene Zeitung und Druckerei brauchten. Am 13. Mai 1848 erschien die Nummer 1 des »Gutenberg«, Organ für die Gesamtinteressen der Buchdrucker und Schriftgießer Deutschlands als Wochenzeitung. Gründer und Redakteur war der Gehilfe Moritz Spiegel. Es war die erste Arbeiterzeitung in der Revolution. Und es gelang dem »Gutenberg«, sich neben Berlin und Leipzig auch in Südwestdeutschland, dem dritten Zentrum der aufständischen und um Organisierung ringenden Buchdrucker, als von allen Gehilfen anerkanntes Blatt zu behaupten.

Angesichts der unterschiedlichen Ergebnisse der Auseinandersetzungen an den verschiedenen Druckorten ergriffen Heidelberger Kollegen die Initiative und gaben das Signal für eine nationale Versammlung aller Buchdruckergehilfen an Pfingsten 1848. In Anlehnung an die Frankfurter Nationalversammlung wurde sie zur »National-Buchdrucker-Versammlungֿ« erklärt.

Auf dieser ersten »National-Buchdrucker-Versammlung« vom 11. bis 14. Juni 1848 in Mainz, die die erste nationale Versammlung von Arbeitern eines Gewerbes überhaupt war, fassten die »Jünger des großen Meisters Gutenberg« wegweisende Beschlüsse. Sie verabschiedeten ein Grundstatut für eine »Deutsche Nationale-Buchdrucker-Vereinigung«. Das Statut beschrieb als Zweck der Vereinigung die »Hebung und Sicherstellung unseres materiellen und geistigen Wohls«, legte den Organisationsaufbau fest, erläuterte die »Rechte und Pflichten der Mitglieder« und wie das »Kassenwesen« aufgebaut sein musste. Die Versammlung wählte ebenfalls ein »Central-Comité«. Sodann wurde die Zeitung »Gutenberg« für ein Jahr zum gemeinsamen »Organ für die Gesamtinteressen der Buchdrucker und Schriftgießer Deutschlands« benannt und dem Redakteur Moritz Spiegel ein dreiköpfiges Redaktionskomitee mit Gustav Jansen, Joseph Dittmann und Stefan Born zur Seite gestellt.

Auch der erste Entwurf für einen Tarif auf nationaler Ebene wurde auf dieser Buchdrucker-Versammlung im Juni 1848 ausgearbeitet. Die Kernforderungen waren festgelegte Arbeitspreise, ein zehnstündiger Arbeitstag, ein wöchentlicher Mindestlohn, Überstundenzuschläge, Abschaffung regelmäßiger Sonntagsarbeit, Begrenzung der Lehrlingszahl. Bis zum
1. August sollte der Tarif eingeführt werden. Die Druckereien, die dem nicht folgten, hätten »Repressalien« zu befürchten. Das »Central Comité des ‚National-Buchdrucker-Gehilfenverband« in Frankfurt war zuständig für die Einhaltung der Mainzer Beschlüsse. Damit war die Grundlage für die erste gewerkschaftliche Organisation in Deutschland gelegt.

Nun gab es ein Problem: Um als Gewerkschaft einen Tarifvertrag abschließen zu können, braucht man einen Tarifvertragspartner. Die Prinzipale, die Buchdruckereibesitzer, waren aber nicht organisiert, was die Buchdruckergehilfen dazu veranlasste, noch im Juni 1848 sich an die »Herren Buchdruckerbesitzer Deutschlands« zu wenden mit der Aufforderung: »Vereinigen auch Sie sich mit Ihren Collegen, wie unsere sämtlichen Collegen in Deutschland sich vereinigt haben; gründen auch sie einen Nationalverein.«

Gutenberg 1848
Titelseite der ersten Ausgabe des »Gutenberg« | Quelle: Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung
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Stephan born
Stefan Born, 1848 im ersten Redaktionskomitee des »Gutenberg« | aus: Stephan Born, Erinnerungen eines Achtundvierziger, 2. Aufl. Leipzig 1989
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Die Buchdruckergehilfen wollten und konnten darauf aber nicht warten und wandten sich deshalb an die »Hohe deutsche National-Versammlung« in Frankfurt. Sie übersandten den Parlamentariern eine Petition, in der sie zunächst unter anderem ein deutsches Arbeiter-Ministerium forderten und das Recht des Arbeiters, seine Verhältnisse selbst zu regulieren, um dann auf den Punkt zu kommen: die Bitte um »die gesetzliche Genehmigung« der »speziellen Forderungen«, also des Tarifvertragsentwurfs. Doch dazu kam es nicht.

Im August legten die Buchdruckergehilfen deshalb ihre Arbeit nieder. Es war vergeblich, zudem herrschte in Frankfurt, dem Sitz des Central-Comités, der Belagerungszustand. Damit war der erste Versuch einer gewerkschaftlichen Organisierung der Buchdrucker gescheitert. Aber trotz Festnahmen, trotz Verurteilungen und Haft der »Rädelsführer«, trotz marschierender Reaktion, grassierender Arbeitslosigkeit und einer passiven Nationalversammlung gaben sie sich nicht geschlagen. Der »Gutenberg« kündigte im Oktober die Gründung einer neuen Organisation, den »Gutenbergbund« an. Die dreiköpfige Redaktion des »Gutenberg«, bestehend aus Moritz Spiegel, Karl Friedrich Kannegießer und Gustav Jansen, bildete den provisorischen Bundesvorstand und begann mit der Arbeit. Bald erweiterten die drei den Vorstand auf sechs Kollegen, darunter Karl Fröhlich.

Letzterer, ein leidenschaftlicher und nicht zu ermüdender politischer Wanderprediger, gewann auf seinen Reisen durch die Druckorte Kollegen um Kollegen für den Bund. Kannegießer war nicht zu schlagen beim Aufbau der zentralen und gleichzeitig hoch differenzierten Unterstützungskassen, und Moritz Spiegel machte den »Gutenberg« zu dem Organ der Gehilfenschaft. So gelang es ihnen trotz weiterer Siege der Reaktion in den verschiedenen deutschen Ländern, den Gutenbergbund aufzubauen. Und im Herbst 1849 führten sie in Berlin den Gründungskongress durch – gegen die Blockademanöver der Prinzipale und trotz offizieller Auflösung durch die Polizei. Das Statut wurde verabschiedet, Fröhlich und Kannegießer zum Zentralvorstand ernannt und der »Gutenberg« zum Organ des Bundes gemacht.

Auf Dauer aber saß die Reaktion am längeren Hebel. Die Revolution ging blutig verloren. Die gewerkschaftlichen Kassen konnten nicht in der Illegalität weiter existieren. Selbst die vorsichtigsten Neutralitätserklärungen, und Bekenntnisse zu einer unpolitischen, sozial ausgerichteten »Bruderschaft«, wurden von der preußischen Polizei gnadenlos bekämpft. Verfolgungen, Verhaftungen, Verbote, hohe Kautionszahlungen für Zeitungen, damit sie überhaupt erscheinen durften, um sie bei nächster Gelegenheit doch zu beschlagnahmen – all das beendete diese so unglaublich fruchtbare und vielseitige erste Zeit von Selbstbewusstwerdung und gewerkschaftlicher Organisierung bei den graphischen Arbeitern.

Der »Gutenberg« stellte im Jahr 1851 sein Erscheinen ein – als letzte der in der Revolution gegründeten Arbeiterzeitung. Da die polizeiliche Verfolgung des »Gutenbergbundes« aber nicht aufhörte, legten die Vorsitzenden des Bundes Karl Fröhlich und Karl Friedrich Kannegießer ihre Ämter nieder und schrieben keine Neuwahl mehr aus. Der »Gutenbergbund« löste sich damit selber auf. 1854 schließlich verpflichtete ein Gesetz des Bundestages die Regierungen der deutschen Staaten, alle noch bestehenden Arbeitervereine und Verbrüderungen, die »politische, sozialistische und kommunistische Zwecke« verfolgen, binnen zwei Monaten aufzulösen.

Das erste Kapitel der Gewerkschaftsgeschichte war beendet. Erst in den 1860er Jahren sollte es ein neues Erwachen bei den Buchdruckern geben. Die Wurzeln dafür liegen allerdings in den Kämpfen, den Bewegungen und Erfahrungen der 48er Revolution.

CONSTANZE LINDEMANN | HARTMUT SIMON

Stephan born
Stefan Born, 1848 im ersten Redaktionskomitee des »Gutenberg« | aus: Stephan Born, Erinnerungen eines Achtundvierziger, 2. Aufl. Leipzig 1989
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Protokollbuch hildesheimer buchdrucker 1863
Protokollbuch des Buchdrucker-Vereins Hildesheim von 1863 – das älteste Gewerkschaftsdokument im Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung
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Nur wenige Dokumente aus der Frühphase der deutschen Gewerkschaftsbewegung sind als Original erhalten geblieben. Eines der ältesten ist das Protokollbuch des Hildesheimer Buchdrucker-Vereins von 1863. Im Januar 2006 wurde es von den Hildesheimer Kolleginnen und Kollegen dem Archiv der Friedrich-Ebert-Stiftung zu treuen Händen übergeben. 

Auf den ersten Blick wirkt das Buch unscheinbar: einfacher Einband, schwarz, abgegriffen. Die Deutsche Schreibschrift und die komplizierte Schreibweise erschweren das Lesen. Der Inhalt erschließt sich so nur langsam. Seite für Seite begreift man aber immer mehr, dass es sich um ein außergewöhnliches Dokument handelt: Es eröffnet einen Einblick in das Vereinsleben eines der ältesten lokalen Buchdruckervereine der Jahre 1863 bis 1870.

Die Hildesheimer Buchdrucker wollten einen Verein, so das Protokoll, »welcher einen Anhaltspunkt der hiesigen Buchdrucker sowohl in gesellschaftlicher als den Fortschritt in ihrem Berufe fördernden Weise zu bilden im Stande sei«. Nach einem vorbereitenden Treffen am 21. November kam es am 5. Dezember 1863 zur Gründungsversammlung. Das Statut wurde verabschiedet, der Vorstand gewählt. Viele Teilnehmer können es nicht gewesen sein: der Vorsitzende erhielt fünf Stimmen, der Kassierer sieben und der Schriftführer acht.

1863 war für die Buchdruckerbewegung ein Jahr des Fortschritts. Nachdem alle gewerkschaftlichen Errungenschaften aus dem Revolutionsjahr 1848 in den Zeiten der Reaktion zunichte gemacht worden waren, ging es nun wieder aufwärts. Im Juni gründeten Buchdrucker aus verschiedenen Städten in Frankfurt am Main den »Mittelrheinischen Buchdruckerverband«.

Der Mittelrheinische Buchdruckerverband mit seinen Orts- und Bezirksvereinen ebnete bereits den Weg für einen nationalen Buchdruckerverband. Der Hildesheimer Verein, gerade erst gegründet, wagte es gleich, den Verband zu kritisieren. Er hatte kein Verständnis für dessen grundsätzlich abweisende Haltung gegenüber Buchdruckern auf Wanderschaft, die nicht einer Viatikumskasse (Kasse zur Unterstützung durchreisender Kollegen) angehörten.

Darauf aufmerksam geworden war man in Hildesheim durch eine Bekanntmachung im »Correspondent«. Die Wochenschrift »für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer« war damals die wichtigste Informationsquelle über die Entwicklung der Bewegung. »Der Correspondent« galt als das »Organ ihres Standes«. Er wurde in Versammlungen gemeinsam gelesen, seine Inhalte diskutiert. Auf Beschluss der Mitgliederversammlung gab es in Hildesheim zunächst ein Abonnement »auf Vereins-Casse«, nur wenig später ein zweites. Als der Verein es sich leisten konnte, abonnierte er auch die »Gartenlaube«. Doch deren kritische Haltung zur katholischen Kirche erboste einige Mitglieder. Sie verlangten, das Abonnement wieder zu kündigen. Nachdem dies mehrheitlich abgelehnt wurde, schieden »sämtliche frommen Antragsteller aus dem Verein«.

Ein Jahr nach Vereinsgründung schien der Anfangselan langsam abzunehmen. Um »dem Vereinsleben mehr Anregung zu geben«, entschied die Mitgliederversammlung im Dezember 1865, »neben den Referaten aus unseren Zeitschriften etwas aus dem großen Felde deutscher Literatur« vorzulesen und zu besprechen. Bereits in der nächsten Versammlung »wurde von einem Vereinsmitglied Schillers Glocke kurz eingeleitet und vorgelesen«, woran »sich eine interessante Debatte« anknüpfte.

Sinnvoll erschien es den Mitgliedern dann auch, »eine kleine Vereinsbibliothek zu gründen«. Bücher »sollten aus Cassen-Überschüssen« erworben werden. Für die Anschaffung war »in jedem einzelnen Falle jedoch der Beschluss des Vereins maßgebend«. Der Buchbestand wuchs vor allem durch Schenkungen von Mitgliedern und einiger Principale (so nannte man damals die Druck-Unternehmer) rasch an. Ein »Reglement über die Benutzung der Bibliothek und des Lesecirkels« wurde beschlossen und auch »den Lehrlingen die Benutzung der Vereinsbibliothek« gestattet. Gegen Ende des Jahres 1868 bestand die Bibliothek aus 170 gebundenen Büchern.

Doch nicht nur Bildungshunger bestimmte das Vereinsleben, auch das Feiern nahm einen hohen Stellenwert ein. So beging der Verein alljährlich das Johannisfest zu Ehren von Johannes Gutenberg. »Das Fest sei zu feiern in einer ländlichen Partie mit Familie und sonstigen Damen der Mitglieder«, entschied die Versammlung für das erste gemeinsame Johannisfest, »und zwar per Fahrt mit Wagen nach einem nahe gelegenen Vergnügungsorte.« Und weiter: »Nach Ankunft am Bestimmungsort würde Kaffee zu servieren sein, zu welchem unsere Damen uns einen kleinen Imbiß zu besorgen hätten.«

So wichtig für den Hildesheimer Buchdrucker-Verein auch die Bildungsarbeit und der Aspekt der Geselligkeit waren, die Gewerkschaftsarbeit blieb Leitfaden seines Handelns. So war es für ihn keine Frage, nach Gründung des Deutschen Buchdruckerverbandes 1866 sich diesem als Ortsverein des Provinzialverbandes Hannover anzuschließen. Über gewerkschaftliche Fragen wie den Kampf gegen die Sonntagsarbeit wurde diskutiert, eine Extrasteuer zur Unterstützung streikender Kollegen erhoben.

Dr. Hartmut Simon

Protokollbuch hildesheimer buchdrucker 1863
Protokollbuch des Buchdrucker-Vereins Hildesheim von 1863 – das älteste Gewerkschaftsdokument im Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung
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Die Gewerkschaftszeitung der Buchdrucker
erscheint 1863 zum ersten Mal


Bis zu acht Seiten Umfang hat er, Der Correspondent, die »Wochenschrift für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer«, schon im ersten Jahr seines Erscheinens 1863. Er enthält Berichte über die Berufs- und Arbeitswelt, Tarifbewegungen, stellt neue Bücher vor. 150 Jahre haben die Zeitung und ihr Nachfolgeorgan seither Generationen von Gewerkschafter/innen des Buchdruckerhandwerks begleitet.

Die Gründerväter

Im Königreich Sachsen wird 1861 das Versammlungs- und Koalitionsverbot für Arbeiter aufgehoben, das seit der gescheiterten Revolution von 1848 die Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung drangsaliert hat. Die Buchdruckergehilfen in Leipzig nutzen ihre Chance und gründen einen »Fortbildungsverein für Buchdrucker«. Und sie wollen ein gewerkschaftliches Blatt herausgeben. Ein Ausschuss wird eingesetzt, Geld für die erforderliche Kaution von 1.500 Mark über Anteilscheine gesammelt, zwei Redakteure werden gewählt.




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1863 01 01 correspondent  nr 1 ab
Titelblatt der ersten Ausgabe »Der Correspondent. Wochenschrift für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer« 1863. Obgleich von der Leipziger Gehilfenorganisation der Buchdrucker herausgegeben, hat das Blatt von Anfang den Anspruch, deutschlandweit die Interessen der Gehilfen zu formulieren.
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Der Correspondent erscheint, erstmals am 1. Januar 1863. Er ist nicht als lokales Gewerkschaftsblatt konzipiert. Das zeigt schon der Untertitel: Wochenschrift für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer. Die Redaktion betont: »Unser Blatt (wird) allenthalben im deutschen Vaterlande freudig begrüßt werden.« Sie ist überzeugt: »Es dürfte wohl kaum eine Zeit gegeben haben, in welcher das Bedürfnis gegenseitiger Mittheilungen unter Deutschlands Buchdruckern, Schriftgießern und den Angehörigen der übrigen graphischen Künste so deutlich sich ausgesprochen hätte, als in der Jetztzeit.«

Auch wohl einen Strauß ausfechten

Noch gilt außerhalb Sachsens das Koalitionsverbot, deshalb soll Der Correspondent der Ort sein, wo die Buchdrucker, »wenn auch nur im Geist, miteinander bekannt werden, uns gegenseitig aussprechen, auch wohl einen Strauß ausfechten können«. Dafür wird die Rubrik »Correspondenzen« eingerichtet.

Der Correspondent
wird die Informations-Drehscheibe für deutschsprachige Buchdrucker. Hier berichten Vereine von ihrer Gründung, schildern Johannisfeiern, veröffentlichen Statistiken über Unterstützungsleistungen. Dabei schrecken die Autoren der Artikel auch vor, wie sie es nennen, »Denunciation« nicht zurück. So wird aus Kassel berichtet, dass ein »angeblicher Setzer und Lithograph namens Julius Heinrich aus Berlin sich das Viaticum«, also das Reisegeld, erschwindeln wollte.

Die Redaktion verfolgt auch berufliche Anliegen, sie verspricht jedoch, »die allgemeinen Arbeiter-Angelegenheiten zu keiner Zeit aus dem Auge (zu) verlieren«. Stets hat er einen Aufmacher, zum Beispiel »Zur Frauenfrage vor dem Setzkasten«, erläutert die Geschichte der hebräischen Schrift, informiert über Gesetze, so über das »Gesetz betr. das Urheberrecht an Schriftwerken, Abbildungen, musikalischen Kompositionen und dramatischen Werken«.

Die Zeitung muss sich am Markt behaupten: Sie kann nur im Abonnement erworben, vierteljährlich neu bestellt und bezahlt werden – eine Herausforderung.

Unermüdlich ist die Redaktion dabei, den Organisationsgedanken zu propagieren. Und sie lädt zum Buchdruckertag im Mai 1866 nach Leipzig ein. Der Deutsche Buchdruckerverband wird gegründet. Der Correspondent veröffentlicht die Beschlüsse, so die »Bestimmungen des deutschen Buchdruckerverbandes«, die Satzung. Geregelt ist hier: Die Commission, also der Vorstand, bedient sich »als Organ zu allen erforderlichen Bekanntmachungen usw. (…) des in Leipzig erscheinenden „Correspondent“«.

Die Zeitung ist ab jetzt auch gewerkschaftliches Verlautbarungsorgan. Neue Rubriken kommen hinzu: »Quittung über eingegangene Beiträge« und »Verbands-Nachrichten«. Während des erfolgreichen Kampfes um den ersten Reichstarif für Buchdrucker 1873 erweist sich das Blatt als engagierte Streikzeitung, ruft zur Solidarität auf und warnt vor Streikbrecherarbeiten.

Die Zeit des Sozialistengesetzes 1878 bis 1890 überlebt der Verband als Unterstützungs-Verein Deutscher Buchdrucker. In dieser Zeit erscheint der Correspondent als Informationsblatt, ohne politische Berichte.


1863 01 01 correspondent  nr 1 ab
Titelblatt der ersten Ausgabe »Der Correspondent. Wochenschrift für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer« 1863. Obgleich von der Leipziger Gehilfenorganisation der Buchdrucker herausgegeben, hat das Blatt von Anfang den Anspruch, deutschlandweit die Interessen der Gehilfen zu formulieren.
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Karl Heinke

Redakteur des Correspondent von März 1865 bis August 1866


dahinter
Richard Härtel
Redakteur des Correspondent von August 1866 bis Juni 1891


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Korrespondent 1913 – Jubiläumsausgabe | Quelle: Bibliothek der FES
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Die zweite Generation

Es folgt die Ära des Kaiser Wilhelm II, mit Uniformgepränge und Aufmärschen. Der Buchdruckerverband erlebt einen Mitgliederboom. Von 16.000 im Jahr 1890 steigt die Zahl bis 1913 auf fast 69.000. Diese Entwicklung wird vom Krieg ausgebremst. Als Deutschland am 1. August 1914 Russland den Krieg erklärt, ist in der Zeitung nichts von Hurrapatriotismus zu spüren. Eher nüchtern wird auf die befürchteten Folgen bei einem Sieg des zaristischen Russlands hingewiesen, den »Niedergang der Kultur«. Der Korrespondent (schreibweise seit 1906) steht damit – wie die deutschen Gewerkschaften – an der Seite des Vaterlandes.

Der Aufbau des Blattes ändert sich: Statt acht Rubriken gibt es 14. Dazu gehört die Auflistung der Opfer des Krieges ebenso wie die Rubrik »Von Buchdruckern im Kriege«: »Für vorbildliche Pflichterfüllung im Kriegsdienst erhielt von den im Felde stehenden Mitgliedern der Organisation das Eiserne Kreuz: Hermann Otto (Halle a.S.).«

Als der Krieg zu Ende ist, zeigt sich der Korrespondent erleichtert, zugleich besorgt wegen der hohen Reparationsforderungen, die Deutschland zu bezahlen hat. Umso wichtiger sei es nun, den Verband zum Sammelpunkt zu machen. Der Appell lautet: Schließt und stärkt unsere Reihen.

Bis zum Untergang: Die Weimarer Jahre

Nach der Revolution 1918/19 ist die Zeit reif für gewerkschaftliche Organisation: Anerkannt als Tarifpartner, ausgestattet mit dem Recht auf Koalition und die Bildung von Betriebsräten wächst die Mitgliederzahl der Buchdrucker von knapp 29.000 im Jahr 1917 bis 1921 auf 75.000. Doch die zunehmende Inflation wird zu einer Bedrohung für die Existenz der Zeitung.

4,2 Millionen Mark beträgt der monatliche Bezugspreis ab Oktober 1923. Wer soll das bezahlen? Immerhin: Der Spitzenwochenlohn für Gehilfen liegt zu der Zeit bei 1,5 Milliarden. Vergleicht man Lohn und Bezugskosten für den Korrespondent, sei die Zeitung »spottbillig«, so die Redaktion. Und bittet: Niemand dürfe jetzt als Abonnent abspringen. Der Monatswechsel von September auf Oktober 1923 bringt dennoch einen Rückgang der Auflage von 54.000 auf 30.000. Die Arbeitslosigkeit macht sich bemerkbar. Gefordert sind jetzt vor allem die voll beschäftigten Verbandsmitglieder. Ein Leser schreibt: »Ein arbeitendes Verbandsmitglied, dem 4,2 Millionen Mark im Monat zu viel sein sollten, der sollte sich begraben lassen.«

Am 5. Dezember 1923 ist der Spuk vorbei: Das Monatsabo kostet
30 Goldpfennige. Die Organisation beginnt, sich von dieser Krise zu erholen. 1930 hat der Verband mehr als 90.000 Mitglieder.



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Korrespondent 1913 – Jubiläumsausgabe | Quelle: Bibliothek der FES
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Korrespondent 1933 | Quelle: Bibliothek der FES
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Am 30. Januar 1933 wird Hitler zum Reichskanzler ernannt. Ab jetzt ändert sich alles. Zwei Wochen später haben das auch die Gewerkschaften begriffen. Deutlich wird das in ihrem Wahlaufruf zur Reichstagswahl am 5. März 1933, den der Korrespondent abdruckt. Es gelte, das neue Deutschland gegen den Generalangriff seiner inneren Feinde zu verteidigen. »Für Volksherrschaft gegen Diktatur, für ein freies, sozialistisches Deutschland«.

Doch es ist zu spät. Auch wenn Hitler bei der Reichstagswahl nicht die absolute Mehrheit erhält, von der Macht ist er nicht mehr zu verdrängen. Bereits am 4. Februar 1933 hatte auf seine Veranlassung hin der senile Reichspräsident die »Verordnung zum Schutz des Deutschen Volkes« erlassen. Das bedeutete u.a., dass kritische Zeitungen verboten werden können. Diese Erfahrung macht auch der Korrespondent. »Verboten«: So lautet die Botschaft der Ausgabe vom 15. März 1933. Das Erscheinungsverbot gilt bis zum 25. März.

In Schutzhaft

Spätestens ab jetzt gibt es in der Redaktion die »Schere im Kopf«. Der Anpassungskurs entspricht der Haltung der deutschen Gewerkschaften. Sie begrüßen sogar die Umwidmung des 1. Mai zum »Nationalen Feiertag der Arbeit« durch die Nazis und rufen ihre Mitglieder auf, daran teilzunehmen. Der Korrespondent tut das am 22. April 1933. Doch der Anpassungskurs ist vergeblich.

Am 2. Mai 1933 werden die Gewerkschaftshäuser besetzt, die freien Gewerkschaften zerschlagen. Über die Besetzung schreibt der Korrespondent: »Am 2. Mai, 10 Uhr, besetzte die SA ... das Gebäude der Hauptverwaltung des Verbandes der Deutschen Buchdrucker… . Die Besetzung erfolgte reibungslos. Sämtliche Angestellten erklärten sich bereit, ihre Tätigkeit weiter auszuüben und mitzuarbeiten, damit die Rechte der Mitglieder gesichert und vor dem drohenden Verfall bewahrt blieben. Zur Sicherung und Wahrung eurer Interessen mussten der Leiter des Verbandes, Herr Otto Krautz, und die beiden Redakteure, Schaeffer und Helmholz, vorläufig in Schutzhaft genommen werden.«

Der Korrespondent ist in der Hand der Nazis. Ende 1933 wird er eingestellt. Was folgt, sind Nazi-Terror und Vernichtung.









 

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Korrespondent 1933 | Quelle: Bibliothek der FES
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Max thoma  portrait  aus   gb ig drupa nordmark 1956 1958   s
Max Thoma, Redakteur 1949
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Neuanfang und neuer Name

Erst beim Wiederaufbau der Gewerkschaften nach dem Zweiten Weltkrieg erscheint erneut ein freier gewerkschaftlicher Korrespondent, in der Britischen Zone am 15. Oktober 1947: das Mitteilungsblatt der Industriegewerkschaft Graphisches Gewerbe und Papierverarbeitung [Faksimile im Hintergrund].

Der Aufmacher macht deutlich, dass man sich bewusst für den Traditionsnamen entschieden hat: »Wir geben damit einen Beweis der gewerkschaftlichen Verbundenheit und bahnen den Weg zur Zusammenarbeit mit unseren Freunden über Zonengrenzen hinweg.« Denn die Zeitung gibt es auch in der amerikanischen und in der sowjetischen Besatzungszone.

In der DDR erscheint der Korrespondent bis 1962, im Westen Deutschlands hat der Name nicht lange Bestand. Als die IG Druck und Papier 1948 in München gegründet wird, beschließen die Delegierten, dass ihr Publikationsorgan Druck und Papier heißen soll. Buchbinder, Lithographen, graphische Hilfsarbeiter – alle hatten bis 1933 eigene Publikationsorgane.

In der neuen Einheitsgewerkschaft gibt es für ein gemeinsames Blatt einen neuen Namen. Und: »Wir können nicht mehr die Tradition der alten Gewerkschaftszeitungen fortsetzen, sondern müssen uns der Modernisierung des Zeitungswesens anpassen und völlig neue Wege gehen.«

Kontinuität und Veränderungen

So wird auch das Layout lebendiger. Jahrzehnte war der Korrespondent eine Bleiwüste: strenger Satz, gelegentliche Verzierungen, selten Drucke. Deutlich wird so: der Inhalt ist wichtig, ihn zu lesen, der Rest ist überflüssig, Beiwerk. Die Druck und Papier bricht mit diesem Layout. Jetzt werden die Seiten gestaltet, mit Fotos, Karikaturen, Tabellen, unterschiedliche Schriften.

Doch sowohl an Inhalt wie Layout gibt es Kritik. Im Geschäftsbericht von 1956 steht: »In allen Diskussionen über unser Zentralorgan taucht immer wieder die Meinung auf, dass die Zeitung keine Bilder, keine Erzählungen oder keine Beiträge über kulturpolitische oder literarische Fragen enthalten soll.« Die Redaktion zeigt sich davon unberührt, weist auf die Erwartungshaltung der Leser hin und darauf, dass sie Inhalte bieten und keine flache Unterhaltung.

Kritik wird auch daran laut, dass Werbeanzeigen helfen, die Zeitung zu finanzieren. Auch das sieht die Redaktion anders, stellt fest, dass »erfreulicher Weise der Umsatz gestiegen« ist. Die Druck und Papier wird mit einer Auflage von 135.000 Exemplaren erstellt, die IG Druck und Papier zählt 131.000 Mitglieder.



  

Max thoma  portrait  aus   gb ig drupa nordmark 1956 1958   s
Max Thoma, Redakteur 1949
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Dup 1949 nr 1 kl fes
Druck und Papier 1949 | Quelle: Bibliothek der FES
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Zum 1. Januar 1961 wagt die druck und papier ein Experiment, dass weltweit Beachtung findet: Sie wird ab jetzt in »gemäßigter Kleinschreibung« erstellt. Das Blatt soll so ausgerichtet werden, »dass es unsere moderne Gewerkschaftsbewegung zeitgemäß repräsentieren kann.«

Auch die redaktionelle Ausrichtung wird verändert, gewerkschaftliche Fragen stehen mehr im Fokus, um Aktionen besser begleiten und sich ausführlicher mit den Arbeitgebern auseinandersetzen zu können. Harsch, ja unfair die Reaktion der Arbeitgeber: die Redakteure werden als »Heuchler« oder »Demagogen« beschimpft.

Zum Gewerkschaftstag 1962 erscheint das Blatt erstmals in vierfarbiger Ausstattung. Zum 1. Januar 1963 besinnt sich die Redaktion ihrer Wurzeln und feiert den 100. Geburtstag der druck und papier als Nachfolgeorgan des Korrespondent. Es gibt eine Sonderausgabe zu diesem Anlass, die als Reminiszenz im 101. Jahrgang erscheint. Die druck und papier führt diese Reihung weiter.

Mit der Gründung der IG Medien 1989 wird aus »druck und papier – Zentralorgan der IG Druck und Papier« der Kontrapunkt, die »Mitgliederzeitschrift der IG Medien«. Der publizistische Auftrag ändert sich nicht, aber: die Groß- und Kleinschreibung wird wieder eingeführt.

Doch die IG Medien hadert mit dieser Lösung. Jahrelang wird diskutiert und dann entschieden, für die Publikation der IG Medien eine neue Struktur zu schaffen. Am 1. Januar 1994 ist es soweit. An Zielgruppen orientiert, werden drei Mitgliederzeitschriften und eine Zeitschrift für Aktive herausgegeben – darunter auch wieder die: DRUCK UND PAPIER für die Fachgruppe Druckindustrie und Verlage sowie Papier- und Kunststoffverarbeitung.

Wurde der Titel jahrzehntelang kleingeschrieben, prangt er nun mit reinen Großbachstaben, so als wollt er sagen: So könnt ihr mich nicht noch einmal übersehen. Die DRUCK UND PAPIER erscheint monatlich im Zeitungsformat, mit 16 Seiten Umfang.







  

Dup 1949 nr 1 kl fes
Druck und Papier 1949 | Quelle: Bibliothek der FES
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Druck papier 2001
Druck+Papier, April 2001
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Mit ver.di-Gründung wird aus der DRUCK + PAPIER eine Branchenzeitung. Dafür sorgt der Verschmelzungskongress der IG Medien. Er bekräftigt, dass DRUCK + PAPIER »auch in ver.di erhalten bleiben und als Informations- und Kommunikationsorgan für die bisher angesprochenen Mitgliedergruppen weiterhin zur Verfügung stehen muss«.

Wir sind nun am Ende einer langen Geschichte. Begonnen hatte der Weg 1863 mit den Wünschen der Redaktion Des Correspondent: »So gehe hinaus in die Welt, liebes Blättlein. Der Geist unseres Altmeisters Gutenberg begleite dich und halte seine Schwingen schützend über dir, damit du seiest der Jetztwelt ein Leitstern und eine Richtschnur, der Nachwelt ein Segen.« 150 Jahre nach der ersten Ausgabe wissen wir, der Wunsch der Redaktion ging in Erfüllung.

HARTMUT SIMON





























  

Druck papier 2001
Druck+Papier, April 2001
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Leipziger sch%c3%bctzenhaus
Das Leipziger Schützenhaus. Ort des Gründungskongresses des Deutschen Buchdruckerverbandes an Pfingsten 1866 (20. bis 22. Mai) | aus: Hundert Jahre Kampf der Gewerkschaften der graphischen Arbeiter, Berlin, 1966, unpaginiert, Bibliothek der FES
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Es war schon außergewöhnlich, was sich zu Pfingsten 1866 im Schützenhaus im Leipzig ereignete: Noch gab es kein Deutsches Reich, noch durften sich die Arbeiter nicht überall zusammenschließen, noch war das Reisen beschwerlich und mühselig; und dennoch: 34 Buchdruckergehilfen kamen aus ganz Deutschland zusammen, um als Delegierte von örtlichen und regionalen Buchdruckervereinen eine neue Zentralorganisation zu gründen: den Verband der Deutschen Buchdrucker.

Leipziger sch%c3%bctzenhaus
Das Leipziger Schützenhaus. Ort des Gründungskongresses des Deutschen Buchdruckerverbandes an Pfingsten 1866 (20. bis 22. Mai) | aus: Hundert Jahre Kampf der Gewerkschaften der graphischen Arbeiter, Berlin, 1966, unpaginiert, Bibliothek der FES
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Abb 2 richard h%c3%a4rtel  portrait  aus   krahl  buchdrucker  bd. 2  1933  s. 77f  verdi archiv
Richard Härtel | aus: Willi Krahl, Der Verband der Deutschen Buchdrucker, Bd. 2, 1933, S. 77f, ver.di-Archiv
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Seit einiger Zeit hatte man in Buchdruckerkreisen darüber diskutiert. Erleichtert und stolz stellte dann auch der Vorsitzende des Leipziger Fortbildungs-Vereins, Richard Härtel, in seiner Eröffnungsrede fest: »Dieses Project eines Congresses, daß nach langer geistiger Lethargie seit drei Jahren vielfach ventilirt worden, um eine Regelung in den Verhältnissen der Buchdrucker und Schriftgießer herbeizuführen und eine Verbesserung ihrer gedrückten Lage anzubahnen, ist mit dem heutigen Tage verwirklicht worden.«

Die Leipziger Buchdruckereigehilfen hatten hierzu geladen. »Nachdem uns das königl. sächs. Ministerium die Erlaubniß zur Abhaltung eines Buchdruckertages gegeben hat, fordern wir alle unsere deutschen Collegen auf, die zur Theilnahme an demselben nothwendigen Schritte nunmehr ungesäumt einzuleiten.« So stand es im Correspondent, der Wochenschrift für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer, am 23. März 1866 zu lesen. Der Aufruf fiel auf fruchtbaren Boden.






























 

Abb 2 richard h%c3%a4rtel  portrait  aus   krahl  buchdrucker  bd. 2  1933  s. 77f  verdi archiv
Richard Härtel | aus: Willi Krahl, Der Verband der Deutschen Buchdrucker, Bd. 2, 1933, S. 77f, ver.di-Archiv
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Programm buchdruckertage 1866
Programm zum ersten deutschen Buchdruckertag in Leipzig | aus: Der Verband der Deutschen Buchdrucker 1866 – 1916, hrsg. Vom Vorstand des Verbandes der Deutschen Buchdrucker, Erster Band, Berlin 1916, S. 296f, ver.di-Archiv
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Vom 20. bis 22. Mai 1866 fand der erste Buchdruckertag statt.
Die 34 Delegierten, Deputirte genannt, hatten das Mandat von mehr
als 3.000 Gehilfen aus 85 Städten. In drei Sitzungen berieten sie über das Statut des Verbandes, die Gründung von Lokal-Vereinen, Productiv-Genossenschaften, Unterstützungskassen, die Mitgliedschaft für Schriftgießer, das Koalitionsrecht und die Aufgaben der »Ständigen Commission« als Verbands-Vorstand. Die Verhandlungen und Beschlüsse wurden protokolliert und im Correspondent veröffentlicht.

Eingedenk der damals politischen schwierigen Lage, aber auch des noch nicht weit verbreiteten Bewusstseins über die Notwendigkeit gewerkschaftlicher Organisation hatte Härtel betont: »Meine Herren Deputirten, verfolgen wir unsern Weg mit Einsicht und Vorsicht, Geduld und Ausdauer, dann wird der erste und schwerste Schritt, den wir durch den Buchdruckertag zu Leipzig jetzt machen, in Kurzem seinen Segen erkennen lassen und eine bessere Zukunft für uns herbeiführen.« 

Auch die Delegierte waren erleichtert und optimistisch: »Wir brauchen kaum zu versichern, daß die Stimmung eine enthusiasmirte war«, so der Bericht von der Gründungsfeier nach dem ersten Sitzungstag. »Reden und Toaste folgten rasch aufeinander und dazwischen ertönten die Klänge einer kräftigen Militärmusik.«

Programm buchdruckertage 1866
Programm zum ersten deutschen Buchdruckertag in Leipzig | aus: Der Verband der Deutschen Buchdrucker 1866 – 1916, hrsg. Vom Vorstand des Verbandes der Deutschen Buchdrucker, Erster Band, Berlin 1916, S. 296f, ver.di-Archiv
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Berthold feistel
Berthold Feistel (1834 – 1892). Im Mai 1866 wurde Berthold Feistel bei der Konstituierung der Ständigen Kommission des Buchdruckerverbandes zum ersten Vorsitzenden gewählt. | aus: Willi Krahl, Der Verband der Deutschen Buchdrucker, Bd. 1, Leipzig 1916, S. 312/313, ver.di-Archiv
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Der Grundstein war gelegt, nun galt es, die Organisation zu kräftigen. Der erste Vorsitzende der Commission, Berthold Feistel, mahnte in einem Aufruf: »Ihr, die Ihr noch nicht der Organisation beigetreten seid, schließt euch ihr an, auf das Eure Gesammtinteressen gefördert, Eure guten Verhältnisse gefestigt und Eure Lage gebesessert werde.« Und er betonte: »Von der Ueberzeugung durchdrungen, daß diese Förderung, wie im Kleinen nur durch das Zusammenhalten aller einzelnen Mitglieder, im Großen nur durch das Zusammenwirken aller größeren Vereinigungen möglich ist, hat der Buchdruckertag eine Organisation geschaffen, welche sowohl diesem Ziel als den örtlichen und provinziellen Eigenthümlichkeiten der einzelnen Vereine Rechnung trägt.«

Rückblickend stellte der Buchdruckerverband in seiner Jubiläumsveröffentlichung zum 50. Jahrestag seiner Gründung fest: »So war denn endlich das Streben der Tüchtigen in den Reihen der Gehilfenschaft, begonnen mit Georg Henkel in Heidelberg, dem ersten Sammelrufer von Ostern 1848, (…) in Erfüllung gegangen: die deutschen Buchdruckerstämme hielt ein einigendes Band umschlungen.«

Dr. Hartmut Simon




















 

Berthold feistel
Berthold Feistel (1834 – 1892). Im Mai 1866 wurde Berthold Feistel bei der Konstituierung der Ständigen Kommission des Buchdruckerverbandes zum ersten Vorsitzenden gewählt. | aus: Willi Krahl, Der Verband der Deutschen Buchdrucker, Bd. 1, Leipzig 1916, S. 312/313, ver.di-Archiv
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Wappen der buchdrucker
Wappen der Buchdrucker | ver.di-Archiv
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Alle müssen mit angreifen

»Der Arbeiter sieht von Tag zu Tag mehr die entsetzliche Wahrheit ein, dass das Capital sich nur dann um ihn kümmert, wenn es ihn zu einer vorübergehenden Spekulation nöthig hat, und ihn rücksichtslos wie ein todtes Werkzeug in den Winkel wirft, bis es wiederum seiner bedarf. Der Staat will und kann nicht unsere Existenz garantiren, deßhalb müssen wir für uns sorgen ... Alle müssen mit angreifen, denn es geschieht im wohlverstandenen Interesse nicht blos aller Buchdrucker, sondern auch der menschlichen Gesellschaft überhaupt.« So schrieben die Buchdrucker-Gehilfen im »Heidelberger Zuruf« und luden zu einer ersten »National-Buchdrucker-Versammlung« nach Mainz, Pfingsten 1848, ein.

Den Gehilfen war bewusst: Geregelte Arbeitsbeziehungen sind die Grundvoraussetzung für gesicherte und ausreichende Einkommen, für erträgliche Arbeitszeiten, für ein würdiges Leben auch im Alter; und dazu bedarf es einer nationalen Organisation.

In Mainz setzten die Gehilfen ihr Vorhaben um. Der vorgelegte Tarifvertragsentwurf für das Buchdruckgewerbe war der erste Entwurf eines Tarifvertrages überhaupt – und bis heute Grundlage für den Manteltarifvertrag der Druckindustrie. Mit detaillierten Regelungen zur Arbeitszeitbegrenzung, zur Mehrarbeit, zur Facharbeiterbindung, zur Maschinenbesetzung sowie zum Lehrlingswesen legten sie den Grundstein zur Kontrolle des Arbeitsmarktes im eigenen Gewerbe. Gleichzeitig verabschiedeten die Delegierten genaue Lohntarife. Zur Klärung von Streitfragen waren paritätisch besetzte Schiedsgerichte vorgesehen.

Es wurde ein Statut für die »Deutsche National-Buchdrucker-Vereinigung« beschlossen und die Kollegen wurden aufgefordert, in die neue Organisation einzutreten. »Wir müssen wollen und handeln, vereint handeln.« Aber die Niederlage der bürgerlichen Revolution blockierte jede weitere demokratische Entwicklung.









  

Wappen der buchdrucker
Wappen der Buchdrucker | ver.di-Archiv
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Mitglieds karte buchdrucker 1908   ver.di archiv
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»Nur Mehrarbeit kann uns retten!«

Mit dieser Parole zogen die Prinzipale nach dem Ersten Weltkrieg gegen eine wesentliche Errungenschaft der Revolution von 1918 zu Felde – den 8-Stundentag. Der paritätisch besetzte Buchdruckerrat hatte ihn bereits am 18.November eingeführt. Die Buchdruckergehilfen weigerten sich zwar mit den anderen grafischen Verbänden eine einheitliche Organisation zu gründen, aber sie koordinierten mit ihnen zusammen im »Graphischen Bund« die Tarifarbeit bis 1933. Mit den Hilfsarbeitern praktizierten sie umfassende Solidarität, als die Unternehmer diese aus dem Tarif warfen. Der 8-Stunden Tag wurde erfolgreich verteidigt und sie verhinderten weitergehende Verschlechterungen bei dem durch die Notverordnungen zwangsweise abgesenkten Lohnniveau.

Die fortgeschrittene Technik
muss allen, Männern wie Frauen, zugute kommen


Nach 1945 scheiterte eine gesamtdeutsche Druckgewerkschaft am Kalten Krieg. In Berlin wurde1946 die IG Graphisches Gewerbe und Papierverarbeitung im FDGB gegründet und in München gingen 1948 alle Verbände aus den Jahren vor 1933 in der neuen IG Druck und Papier auf. Am 1. Juli 1949 trat der von der IG Druck und Papier ausgehandelte neue Manteltarifvertrag in Kraft und löste die Tarifverträge von vier Verbänden ab. Im September 1950 wurde für die Druckindustrie ein neuer Lohntarifvertrag unterzeichnet, für die Papierverarbeitung gelangen nur regionale Abschlüsse und Arbeiter und Angestellte bekamen keinen einheitlichen Tarif. »Gleicher Lohn für gleiche Arbeit« blieb für Frauen und Hilfsarbeiter weiterhin Zukunftsmusik.

Im Mai 1952 beschloss die IG Druck und Papier als einzige Gewerkschaft, gegen das von der CDU-Regierung vorgelegte Betriebsverfassungsgesetz zu streiken. Der DGB hatte gefordert, die Mitbestimmung auf die gesamte Wirtschaft auszudehnen. Stattdessen schloss der Entwurf den öffentlichen Dienst aus, sah die Trennung von Gewerkschaften und Betriebsräten vor, verpflichtete Betriebsräte auf das betriebliche Wohl. Trotzdem verweigerte der DGB jede Unterstützung. Der Zeitungsstreik wurde als »politischer Streik« verboten und die IG Druck und Papier zu Schadensersatzzahlungen verurteilt.

Mitglieds karte buchdrucker 1908   ver.di archiv
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In den folgenden Jahren gelang es der Drucker-Gewerkschaft, technische Fortentwicklungen tarifvertraglich umzusetzen: 40-Stundenwoche, längerer Urlaub, tarifliche Jahresleistung, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Die 1970er-Jahre waren von harten Tarifkämpfen geprägt. 1972/73 wurde mit dem ersten Flächenstreik nach zwanzig Jahren eine Lohnerhöhung um 10,8 Prozent erreicht sowie eine zusätzliche Anhebung der unteren Lohngruppen und der Ausbildungsvergütungen. 1976 gelang trotz der zum ersten Mal von den Unternehmern praktizierten massenhaften Aussperrung die Durchbrechung der vorgegebenen Lohnleitlinie von 5,4 Prozent und ein Abschluss mit einer Lohnerhöhung von 6 Prozent.

1978 ging es um die Einführung von rechnergesteuerten Textsystemen (RTS), die Umstellung von Blei- auf Fotosatz und damit um den Einstieg in die Digitalisierung der Produktion. Mit flexibler Streiktaktik und erfolgreicher Einbeziehung aller Abteilungen gelang es, den RTS-Tarifvertrag durchzusetzen. Das bedeutete für die Schriftsetzer den Erhalt der Arbeitsplätze und Anspruch auf Weiterbildung sowie für Journalisten geregelte Arbeitsbedingungen an Bildschirmen – ein erster Erfolg beim Kampf um Rationalisierungsschutz.

Ein weiterer tarifpolitischer Schwerpunkt lag bei der »Aktion gerechte Eingruppierung«. Damit erreichte die IG Druck und Papier deutliche Erfolge in der Bekämpfung der Frauenlohndiskriminierung. Ein besonderer Höhepunkt dieses Kampfes war Ende 1978 die Klage der 29 »Heinze-Frauen«, aus der Firma Foto-Gruppe Heinze, gegen ihren Arbeitgeber. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – war ihre Forderung. Mit dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts in Kassel vom 9. September 1981 wurde dieses Ziel erreicht.

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35stundenwoche 1984
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Weniger arbeiten, damit alle arbeiten können! – Wer verfügt über die Zeit?

Die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung war die logische Folge der immer schneller auf alle zukommenden digital bestimmten Zukunft. Arbeitszeitverkürzung war und ist das einzige den Gewerkschaften zur Verfügung stehende Instrument für den Erhalt von Arbeitsplätzen, für den solidarischen Ausgleich zwischen Arbeitenden und Arbeitslosen, für die Einschränkung der Verfügungsgewalt der Unternehmer über die Arbeitskraft, für mehr befreite Zeit zum Leben.

1977 hatte die IG Druck und Papier die Forderung nach der 35-Stundenwoche aufgestellt. Der Kampf um ihre Einführung, der mit den ersten Streiks 1984 begann, war der bis dahin längste und härteste Arbeitskampf in der Bundesrepublik. Hier ging es um mehr als eine Tarifforderung. Hier wurde ein Machtkampf um die Frage geführt, ob die Gewerkschaften bei den weiteren ökonomischen und sozialen Entscheidungen mit beteiligt sein würden.

Diesen Kampf haben damals die IG Druck und Papier und die IG Metall erfolgreich bestanden. Als in der Druckindustrie am 1.April 1997 mit der letzten vereinbarten Stufe die 35-Stunden Woche in Kraft trat, lag der Beginn des Kampfes 13 Jahre zurück. Die Beschäftigten in der Papierverarbeitung erreichten das Ziel am 1.April 1998. Inzwischen war die Mauer gefallen und der Kampf um die Angleichung der Arbeits- und Lebensbedingungen in Ost und West in einem von allen Schranken befreiten Kapitalismus hatte längst begonnen.

Nein, ver.di und der gesamten Gewerkschaftsbewegung von heute sind weder die Aufgaben noch die Ziele abhanden gekommen. Sie kämpfen in neuen organisatorischen Formen und in neuen sozialen Bündnissen um »alte« Ziele: um Arbeitszeitverkürzung, Einkommen, von denen Menschen leben können, um Gerechtigkeit und Solidarität, um Teilhabe am gesellschaftlichen Reichtum und Gestaltung der gesellschaftlichen Zukunft. »Alle müssen mit angreifen; denn es geschieht im wohlverstandenen Interesse nicht blos aller Buchdrucker, sondern auch der menschlichen Gesellschaft überhaupt.«

Constanze Lindemann

35stundenwoche 1984
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Paula thiede 4
Paula Thiede – geb. 6. Januar 1870, gest. 3. März 1919
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»Die Organisation ist ein Stück von mir selbst«, so beschrieb Paula Thiede 1905 ihr Verhältnis zum Verband der Buch- und Steindruckerei-Hilfsarbeiter und -Arbeiterinnen Deutschlands: Sie hatte 1898 zu den Gründerinnen des Verbandes gehört, war in den Anfangsjahren Redakteurin des Verbands-Organs »Solidarität« und – mit einer kurzen Unterbrechung 1900/02 – bis zu ihrem Tod 1919 dessen Vorsitzende. Damit war sie die erste Vorsitzende eines gewerkschaftlichen Zentralverbandes in Deutschland.

Paula Thiede wurde am 6. Januar 1870 als Tochter einer Arbeiterfamilie in Berlin geboren. Als Anlegerin in einer Berliner Buchdruckerei lernte sie Not und Elend von Hilfsarbeiterinnen kennen. Als im März 1890 der »Verein der Arbeiterinnen an Buch- und Steindruck-Schnellpressen« – eine der ersten gewerkschaftlichen Frauenorganisationen – ins Leben trat, war sie mit dabei, übernahm wenige Jahre später den Vorsitz.

Es war die Zeit des gewerkschaftlichen Aufbruchs. Mit dem Auslaufen des Bismarckschen »Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie« 1890 begannen die sozialistischen »freien« Gewerkschaften wieder Fuß zu fassen. Nach und nach fanden sich alle Berufsgruppen zu Verbänden zusammen, schufen sich arbeitsfähige Organisationsstrukturen, entwickelten sich zu Massenorganisationen.

Doch der Anfang war schwer: Es fehlte an gewerkschaftlicher Erfahrung, die finanziellen Mittel waren knapp. Von denen, die Verantwortung übernahmen, war ein Höchstmaß an persönlichem Engagement gefordert. So saß Paula Thiede, wie die »Gewerkschaftliche Frauenzeitung« 1919 schrieb, »... bis tief in die Nacht hinein zu Hause in der engen Wohnung, die sie mit ihrer Mutter und der jungen Schwester teilen musste, und verfertigte handschriftlich Versammlungseinladungen, Anschreiben an die Kolleginnen usw., die selbstverständlich auch von den Vorstandsmitgliedern selber verteilt werden mussten.« Und dabei war alle Arbeit noch ehrenamtlich.

Viele Jahre hat Paula Thiede so für den Verband gewirkt und allmählich Einfluss auf die beruflichen Verhältnisse nehmen können. Dabei hatte sie viele Hilfsarbeiterinnen im Buchdruckgewerbe für die gewerkschaftliche Organisierung gewonnen – ein Ziel, das damals von den Männern weitestgehend abgelehnt wurde. So bestanden in Berlin für Männer und Frauen getrennte Organisationen des Buchdruckereihilfspersonals. Diese Spaltung galt es zu überwinden, was nicht zuletzt dank des Engagements von Paula Thiede gelang.

Am 30.Mai 1898 begann der »Kongress der in Buchdruckereien und verwandten Gewerben beschäftigten Hilfsarbeiter und Hilfsarbeiterinnen« in Berlin. Unter den 19 Delegierten aus zehn Städten waren acht Frauen. Sie gründeten den »Verband der in Buchdruckereien und verwandten Gewerben beschäftigten Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen«; Paula Thiede wählten sie einstimmig zur Vorsitzenden.

Die Vorurteile der Männer gegen eine Frau an der Spitze des Verbandes hemmten anfangs ihre Arbeit. Ohne finanzielle Unterstützung sah sie sich bald nicht mehr in der Lage, den Vorsitz weiter auszuüben. Sie legte im Oktober 1900 das Amt nieder, um es – jetzt ausgestattet mit einer Entschädigung von jährlich 600 Reichsmark für ihre »ehrenamtliche« Tätigkeit – im Januar 1902 wieder zu übernehmen. 1905 rang sich der Verband endlich dazu durch, sie mit einem Jahresgehalt von 1.800 Reichsmark fest anzustellen.

Unter Paula Thiedes Vorsitz wuchs der zu Beginn kleine Verband: Zählte er bei seiner Gründung 1.279 Mitglieder, waren es zu Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 bereits 15.759 – unter ihnen 8.438 Frauen. Auch der Widerstand gegen eine Frau an der Spitze des Verbandes verstummte mit den Erfolgen ihrer Arbeit: 1906 konnten erstmals zentrale tarifliche Abmachungen für das Buchdruckereihilfspersonal ausgehandelt werden.

Als Paula Thiede am 3. März 1919 im Alter von nur 49 Jahren nach schwerer Krankheit starb, schrieb das Verbandsorgan »Solidarität«: Der Verband »... war ihre Schöpfung, und seine heutige Gestalt und seine Stärke war der Verstorbenen Lebenswerk!« Auf ihrem Grabmal auf dem Friedhof in Berlin-Friedrichsfelde steht zu lesen: »Ihrer Führerin – Die graphischen Hilfsarbeiter und – Arbeiterinnen Deutschlands «.

HARTMUT SIMON

Paula thiede 4
Paula Thiede – geb. 6. Januar 1870, gest. 3. März 1919
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Hermann lohse
Hermann Lohse in seinem Arbeitszimmer | Quelle: Bestand H. Lohse, ver.di-Archiv
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Glashütte, den 31.01.1951

... Im Jahre 1898 ist dann die Zentrale gegründet worden. Von diesem Jahre an wurde eine rege Agitation vorgenommen. Neue Zahlstellen wurden gegründet und die älteren Orte weiter ausgebaut. An dieser Arbeit hat die Kollegin Paula Thiede ganz besonders teilgenommen. Sie ist die Vorsitzende unseres Verbandes geworden und hat den Vorsitz bis zum Jahre 1919 geführt. Leider ist sie uns so früh durch den Tod entrissen worden. Schweres Magenkrebsleiden brachte den Tod.

Bisher ist in der Geschichte der Gewerkschaftsbewegung in Deutschland es nur einmalig, dass eine weibliche Person den ersten Vorsitz in einer Gewerkschaft geführt hat. Paula Thiede, die Anlegerin war, hatte sich ein reiches Wissen angeeignet und war auch ein Menschenkind, das eine edle Gesinnung und hohes Verständnis für die Bedürfnisse der Arbeiterschaft hatte. Sie hat es dann 1906 möglich gemacht, nachdem wir als Hilfspersonal eine gute Organisation hatten, die ersten Tarifverhandlungen vorzubereiten.

Hermann lohse
Hermann Lohse in seinem Arbeitszimmer | Quelle: Bestand H. Lohse, ver.di-Archiv
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Fortsetzung

Nachlass hermann lohse 5 200dpi
Paula Thiede 1906 zusammen mit ihrem Tarifausschuss
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Wie das Bild zeigt, haben die ersten Verhandlungen in Leipzig stattgefunden. Den Vorsitz in diesen Verhandlungen führte ein Herr Büxenstein, Druckereibesitzer in Berlin. Büxenstein hatte den festen Willen, ein Arbeitsverhältnis für das Hilfspersonal in Deutschland zu schaffen. Leider sind nur »Allgemeine Bestimmungen« festgelegt worden. Die Löhne haben wir an den einzelnen Orten regeln müssen.

Das Bild zeigt nun in der unteren Reihe von links nach rechts Schmidt, München, Sparkuhl, Hannover, Frau Theske, Berlin, die sich in Berlin um die Kolleginnen sehr verdient gemacht hat, Schultze, Leipzig, dann kommt die Kollegin Gertrud Hanna, die nachherig im Bund noch unter Legien und dann unter Leipart die Frauenabteilung vertrat und die Frauenzeitung bearbeitete, dann die Kollegin Kuntze, Berlin, Schad, Bremen, den folgenden weiß ich nicht mehr. In der oberen Reihe weiß ich den ersten ebenfalls nicht mehr hinzubringen, der 2. ist dann Kirchner, Hamburg, es folgt dann Pucher, Berlin, Werner, Stuttgart, noch ein Berliner Vertreter, unser Hauptkassierer Lodahl und unsere Vorsitzende Paula Thiede, Berlin, Wollen, Leipzig, Lohse, Hamburg, Moritz, Berlin, Reckling, Nürnberg und bei dem letzten verlässt mich wieder das Gedächtnis.

Nachlass hermann lohse 5 200dpi
Paula Thiede 1906 zusammen mit ihrem Tarifausschuss
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Doc001 small
Solidarität, 10. April 1915
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Eine besondere Nummer unserer Verbandszeitung »Solidarität« liegt noch bei. Der Aufsatz ist noch von der Kollegin Thiede unterzeichnet.

Freundlichen Gruß

Herrmann Lohse

















































  

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Solidarität, 10. April 1915
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Erika Klagge hat etliche Gedenktafeln in der Hauptstadt geschaffen, ihr Arbeitsschwerpunkt ist die Kunst im Stadtraum. Sie stellte im Gewerkschaftsauftrag für die Grabstätte von Paula Thiede deren Bildnis wieder her.

Weil der Deutsche Buchdruckerverband keine Frauen aufnahm, gründete die Namenspatronin der Straße, an der die ver.di-Zentrale in Berlin residiert, 1898 den Verband der Buch- und Steindruckerei-Hilfsarbeiter und -Arbeiterinnen Deutschlands – eine der proletarischen Wurzeln von ver.di.
Paula Thiede war die erste Frau an der Spitze einer reichsweiten Gewerkschaft. Sie starb 49-jährig am 3. März 1919.

Das Bronzeporträt auf ihrem Grabmal in Berlin-Friedrichsfelde wurde von Unbekannten gestohlen. An seiner Stelle wurde das von Erika Klagge nach einer Fotografie geschaffene gläserne Bildnis angebracht. Eingeweiht wurde es am 6. März 2002.

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Paula Thiedes Grabmal ist jetzt wieder komplett

Paula thiedes grabmal ist jetzt wieder komplett
DRUCK+PAPIER Nr. 02/2007
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Anstelle des Bronzeporträts ein gläsernes Bildnis installiert

Zurückgekehrt an den Platz, an des es gehört, ist auf dem Berliner Zentralfriedhof Friedrichsfelde ein Bildnis von Paula Thiede, der Namenspatronin der Straße, an der in Berlin-Mitte die Bundeszentrale der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) residiert. Die Künstlerin Erika Klagge hat das Porträt im ver.di-Auftrag geschaffen, der ver.di-Vize Frank Werneke übergab es jetzt der Öffentlichkeit und würdigte Leben und Werk der Gewerkschafterin Paula Thiede. Die hatte, weil der Deutsche Buchdruckerverband als zuständige Gewerkschaft in männlicher Selbstherrlichkeit damals keine Frauen und schon gar keine Hilfsarbeiterinnen aufnahm, 1898 die Gründung des Verbands der Buch- und Steindruckereien-Hilfsarbeiter und –Arbeiterinnen Deutschlands initiiert – eine der proletarischen Wurzeln der ver.di.

Paula Thiede, die als Anlegerin in einer Berliner Druckerei gearbeitet hatte, war die erste Frau an der Spitze einer reichsweiten Gewerkschaft. Sie starb 49jährig am 3. März 1919. Das Bronzeporträt auf ihrem Grabmal in Berlin-Friedrichsfelde wurde von unbekannten gestohlen. An seiner Stelle kündet nun – als künstlerisches Zitat – das von Erika Klagge nach einer Fotografie geschaffene gläsernes Bildnis von der Bedeutung Paula Thiedes als energischer Vorkämpferin der deutschen Gewerkschaftsbewegung.

Um die Restaurierung des Grabmals hatte sich zuvor der »Förderkreis Erinnerungsstätte der deutschen Arbeiterbewegung Berlin-Friedrichsfelde« verdient gemacht, dessen Vorsitzendem Holger Hübner Frank Werneke dafür den Dank der Gewerkschaft aussprach.

Henrik Müller











Paula thiedes grabmal ist jetzt wieder komplett
DRUCK+PAPIER Nr. 02/2007
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Frank Werneke, stellvertretender Vorsitzender der ver.di | Holger Hübner, Vorsitzender des Förderkreises »Erinnerungsstätte der deutschen Arbeiterbewegung Berlin-Friedrichsfelde« | Erika Klagge, Künstlerin

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Historiker behaupten gerne, wenn sie über die Anfänge gewerkschaftlicher Organisation im 19. Jahrhundert schreiben, dass die Arbeiterinnen sich nicht in den Kampf um gewerkschaftliche Solidarität eingebracht hätten. Das ist falsch. Arbeiterinnen waren von Anfang an dort aktiv, wo sie es konnten und durften: in Unterstützungskassen, in Bildungsvereinen, bei Streikaktionen – und später auch in den Gewerkschaften.

Nach dem Scheitern der bürgerlichen Revolution von 1848 und besonders in der Zeit des »Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie« (1878-1890) hatten engagierte Frauen nicht nur gegen politische Verfolgung anzukämpfen, sondern auch gegen die Ablehnung der Frauenerwerbsarbeit durch ihre männlichen Kollegen, die darin eine unerwünschte Konkurrenz sahen. Gegen Frauenerwerbsarbeit sprach auch das vorherrschende bürgerlich geprägte Frauen- und Familienbild.

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Arbeiterin an falzmaschine  beier  schwarze kunst  s. 109
Arbeiterin an der Pfalzmaschine | aus: Beier, Schwarze Kunst, S. 109
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Gerade an der Entwicklung im Buchdruckgewerbe lässt sich diese Situation gut darstellen. In ihrem Buch »Die Arbeiterinnen und ihre gewerkschaftliche Organisation im deutschen Buchdruckgewerbe von 1890-1914« schreibt Angela Gabel: Hier hatten sich »zwei verschiedene Ebenen der Frauenarbeit herausgebildet: die qualifizierte (Setzerinnen), die in direkter Konkurrenz zu der Gehilfenschaft entstand, und die unqualifizierte (Hilfsarbeiterinnen), die ihre Entstehung der technischen Entwicklung verdankte.«

Diese Zweiteilung fand sich in der gewerkschaftlichen Organisation wieder. Die Setzerinnen, deren Beschäftigtenzahl gering war im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen, fanden in deren Verbänden keine Aufnahme. Hingegen haben sich die Hilfsarbeiterinnen – sobald es gesetzlich möglich war – unabhängig von den Männern organisiert: am 5. März 1890 gründeten sie in Berlin den ersten Lokalverband im deutschen Buchdruckgewerbe für Frauen, den »Verein der Arbeiterinnen an Buch- und Steindruck- Schnellpressen«.

Mit ihren männlichen Kollegen, die einen eigenen Lokalverein der Hilfsarbeiter gegründet hatten, diskutierten sie viele Jahre intensiv über eine gemeinsame Organisation. Die männlichen Hilfsarbeiter zeigten sich in dieser Frage aufgeschlossen. Ebenso gehörten die Buchbinder nach 1890 zu den ersten Arbeitern, die mit gezielter Agitation bei Kolleginnen für eine Mitgliedschaft in ihrem Berufsverband geworben haben. Dagegen hielt der Verband der Deutschen Buchdrucker bis 1918 an seinem Widerstand gegen eine weibliche Mitgliedschaft fest.

Arbeiterin an falzmaschine  beier  schwarze kunst  s. 109
Arbeiterin an der Pfalzmaschine | aus: Beier, Schwarze Kunst, S. 109
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Paula thiede 4
Paula Thiede – geb. 6. Januar 1870, gest. 3. März 1919
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1898 entschlossen sich die beiden Berliner Lokalvereine der Hilfsarbeiterinnen und Hilfsarbeiter im Buchdruckgewerbe schließlich, gemeinsam den »Verband der Buch- und Steindruckerei-Hilfsarbeiter und -Arbeiterinnen Deutschlands« ins Leben zu rufen. Paula Thiede wurde erste Vorsitzende. Mit einer kurzen Unterbrechung behielt sie dieses Amt bis zu ihrem frühen Tod im Jahre 1919.

Sie hat in ihrem Verband großen Wert darauf gelegt, die weiblichen Mitglieder in die verantwortliche Organisationsarbeit einzubeziehen. Dafür kämpfte sie unermüdlich – zusammen mit ihrer Freundin Emma Ihrer, die von 1890 bis 1892 erste Frau in der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands, und Ida Altmann, der Leiterin des Arbeiterinnensekretariats der Generalkommission von 1905 bis 1909. Doch ihr gemeinsamer Kampf um mehr Beteiligung von Frauen in Kommissionen, Ortsverwaltungen, Vorständen und bei Delegationen zu Kongressen blieb vergeblich.

Paula Thiede hatte sich mit diesem Engagement bei der Mehrheit der Kollegen nicht beliebt gemacht, obwohl ihr die Entwicklung der Mitgliederzahlen ihres Verbandes Recht gab: Im Jahre 1914 hatte der Verband insgesamt 15 759 Mitglieder – mehr als die Hälfte darunter waren Frauen. Trotz dieses Erfolges blieben die meisten männlichen Gewerkschafter bei ihrer ablehnenden Haltung. Paula Thiede kandidierte vier Mal erfolglos für ein Mandat in der Generalkommission: 1902, 1905, 1908 und 1911. Damit war in der Generalkommission seit dem Ausscheiden von Wilhelmine Kähler 1899 keine Frau mehr vertreten

Paula thiede 4
Paula Thiede – geb. 6. Januar 1870, gest. 3. März 1919
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Gertrud hanna
Gertrud Hanna | ver.di-Archiv
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Paula Thiede zur Seite stand in ihrem Verband Gertrud Hanna, die selbst vorher als Hilfsarbeiterin im Buchdruckgewerbe gearbeitet hatte. Sie wurde 1907 Mitarbeiterin im Arbeiterinnensekretariat der Generalkommission, und nach dem Weggang von Ida Altmann im März 1909 deren Nachfolgerin. Ab Januar 1916 zeichnete Gertrud Hanna auch als verantwortliche Redakteurin der »Gewerkschaftlichen Frauenzeitung«. Zudem war sie seit 1909 Mitglied im Hauptvorstand des Hausangestelltenverbands und von 1919 bis 1933 Abgeordnete der SPD im preußischen Landtag. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten verlor sie alle Ämter und bleib unter ständiger Bewachung durch die Gestapo. Sie lebte zusammen mit ihrer Schwester und beging mit ihr gemeinsam 1944 Selbstmord - zermürbt von der politischen Verfolgung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, als es darum ging, anzupacken und aufzubauen, da waren zunächst die Frauen gefragt – auch in der Gewerkschaftsbewegung. Das änderte sich in der Bundesrepublik in den 1950er Jahren mit ihrem konservativen Familienbild. Erst die Frauenbewegung in den 1970er Jahren schuf neues Selbstbewusstsein, das auch die Kolleginnen erreichte. Die IG Druck und Papier begriff dies als Chance und band die Frauen stärker in die gewerkschaftliche Arbeit ein.

In der Satzung wurde die Bildung von Ausschüssen für gewerkschaftliche Frauenarbeit auf örtlicher Ebene, dann auf Landesbezirksebene und auf Vorstandsebene festgeschrieben. Bei der Wahl von Frauenvertreterinnen auf allen Ebenen und für die hauptamtliche Frauensekretärin beim Hauptvorstand galt das vorrangige Vorschlagsrecht der weiblichen Gewerkschaftsmitglieder. Diese organisatorische Stärkung der gewerkschaftlichen Frauenarbeit, die auch eine Verbesserung der Frauenquote in den gewerkschaftlichen Gremien bewirken sollte, erinnert an das erfolgreiche Organisationsprinzip der Paula Thiede.

Gertrud hanna
Gertrud Hanna | ver.di-Archiv
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Die Heinze-Frauen gewinnen ihren Prozess. Das Bild entstand nach der Bekanntgabe des Urteils am 9. September 1980 | ver.di-Archiv

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Außerdem kümmerte sich die IG Druck und Papier verstärkt um Probleme berufstätiger Frauen, vor allem um das Thema Lohngleichheit. Mit der »Aktion gerechte Eingruppierung« 1974 gelang es, die zwingende Eingruppierung von Frauen in die untersten Lohngruppen zu durchbrechen und somit deutliche Erfolge in der Bekämpfung der Frauenlohndiskriminierung zu erreichen. Doch dieser Erfolg wurde seitens der Unternehmen durch übertarifliche Zulagen für Männer unterlaufen.  

Daraufhin unterstützte die IG Druck und Papier die Klagen der »Heinze«- und dann der »Schickedanz«-Frauen gegen ihre Arbeitgeber. Es ging dabei nicht nur um Lohngleichheit, sondern auch darum, das gesellschaftliche Bewusstsein zu verändern. Das gelang insbesondere den »Heinze-Frauen«. Ihr Verfahren gegen ihren Arbeitgeber, der Firma Foto-Heinze aus Gelsenkirchen, stieß sofort auf großes Interesse bei Rundfunk und Presse. Die Frauen, unterstützt von ihrer Gewerkschaft, klagten durch alle Instanzen. Drei Tage vor dem Termin beim Bundesarbeitsgericht in Kassel fand in dieser Stadt eine Solidaritätsbekundung mit 7.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt. Und sie bekamen Recht: Das Bundesarbeitsgericht entschied, dass das Gleichbehandlungsgebot auch auf die außertariflichen Zulagen angewendet werden muss.

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Heinze frauen couver
Schallplatte und Buch: Wir wollen gleiche Löhne – Keiner schiebt uns weg! Herausgegeben von der IG Druck und Papier | ver.di-Archiv
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»Keiner schiebt uns weg«
Das Lied der Heinze-Frauen | Ruhrchor

Nach diesem Urteil von 1981 stand die nächste Klage zur Entscheidung an, und zwar zur Beseitigung der sogenannten Arbeitsmarktzulage für Männer. Mit dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts im Jahre 1982 konnte ein Teilerfolg erreicht werden: Zulagen waren danach nur erlaubt, wenn bestimmte Arbeitsplätze sonst nicht besetzt werden könnten, also ein sachlicher Grund vorliegt und es sich damit nicht um eine Diskriminierung handelt. Die Prüfung, ob ein sachlicher Grund in den konkreten Fällen vorgelegen habe, wurde vom Bundesarbeitsgericht an das Landesarbeitsgericht Düsseldorf zurückverwiesen. Das Gericht entschied für die Firma Schickedanz und damit für die Zulässigkeit der Arbeitsmarktzulage.

Dennoch gelang es der IG Druck und Papier in ihrer weiteren Tarifarbeit die Entlohnung der unteren Einkommensgruppen – in denen die Frauen überwiegend eingruppiert sind – zum Teil erheblich zu verbessern. Endlich erfüllte sich die Forderung, die Paula Thiede 1905 formuliert hatte: die Gewerkschaft müsse auf den verschiedenen Organisationsebenen mehr Frauen einsetzen. »Dann wird sich das Vertrauen festigen, wenn die Arbeiterinnen sehen, dass es eine Stelle gibt, bei der sonst bestehende Ungleichheiten ausgeglichen und beseitigt werden sollen, dann erst werden aus den jetzt zaghaften, mißtrauischen Kolleginnen und Mitarbeiterinnen Förderinnen der Organisationen werden, und die gesamte Arbeiterbewegung wird davon profitieren.«

Gisela Losseff-Tillmanns

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Schallplatte und Buch: Wir wollen gleiche Löhne – Keiner schiebt uns weg! Herausgegeben von der IG Druck und Papier | ver.di-Archiv
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1926 001
Titelseite vom Korrespondent vom 6. Januar 1926 zum neuen Buchdruckerhaus in Berlin
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aus: »Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer«, Berlin den 6. Januar 1926, Nr. 1, 64. Jahrgang 

Die neue Heimstätte des Verbandes der Deutschen Buchdrucker

Als markantes Wahrzeichen innerer Festigkeit und zielbewußten Vorwärtsstrebens der bekanntesten und ältesten Gewerkschaft Deutschlands geht das hier abgebildete Verbandshaus als eines der interessantesten Gebäude der Neuzeit in einer Straßenfront von 40 Metern und 60 Metern Tiefe in der Dreibundstraße zu Berlin seiner Vollendung entgegen.

Der große und ganz von starkem Eisenbeton ausgeführte Hinterbau stellt das eigentliche Verbandshaus dar. Im Erdgeschoß liegt der Druckmaschinensaal. Im ersten Stockwerk befindet sich der Setzersaal in der Mitte, die Setzmaschinenabteilung rechts, die Stereotypie links; für Faktor und Korrektoren sind zweckmäßige Arbeitsräume im Setzersaale abgegliedert. Im zweiten Stockwerk befinden sich die Geschäftszimmer des Bildungsverbandes, der Büchergilde, der Schriftleitungen der »Typographischen Mitteilungen« und des »Graphischen Betriebes«. Im dritten Stockwerksind die Geschäftsräume des Verbandsvorstandes. Im vierten Stockwerk ist ein großer Konferenzsaal mit Nebenräumen in einer des Verbandes würdigen Ausstattung.

Zwei einstöckige Seitenflügel verbinden das Vorderhaus (in dem in fünf Stockwerken 18 Mietwohnungen enthalten sind) mit dem Hintergebäude. Im ersten Stock des rechten Seitenflügels befinden sich Schriftleitung und Geschäftsstelle des »Korrespondent«, während in dessen Erdgeschoß das Druckereikontor Aufnahme findet. Der linke Seitenflügel enthält im Erdgeschoß Badeeinrichtungen und im ersten Stock Speise-, Aufenthaltsräume und Kleiderablagen für das Personal. Sämtliche Arbeitsräume sind hell und luftig, die Betriebseinrichtungen dem neuesten Stand der Technik angepaßt.

Nicht prunkhaft, aber kraftvoll aufwärts strebend erhebt sich das neue Verbandshaus der Deutschen Buchdrucker als eine eigenartige Zierde seiner Umgebung, als kulturelles Zeugnis für die gewerkschaftliche Einigkeit der Jünger der schwarzen Zunft in allen Gauen Deutschlands. Möge sich das neue Heim als eine feste Burg erweisen in den Stürmen der Zeit!

1926 001
Titelseite vom Korrespondent vom 6. Januar 1926 zum neuen Buchdruckerhaus in Berlin
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2 2016 09 gesellschaft
ver.di: publik 2/2016, S.9
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In den Jahren und Monaten vor dem 30. Januar 1933 sprechen die meisten Artikel in der gewerkschaftlichen Presse eine klare Sprache. »Die jetzige Regierung gilt als Wegbereiter des Dritten Reiches, Hitler als ihr heimlicher Chef … Das Dritte Reich Hitlers übertrumpft den alten Obrigkeitsstaat. Es ist ein Zuchthausstaat, der selbst in den schlimmsten Jahrzehnten der Sozialistenverfolgung nie auf deutschem Boden bestanden hat.« So heißt es im Juli 1932 in der Zeitung Graphische Presse, dem Verbandsorgan der Lithographen. Im Korrespondent beschreiben die Redakteure die Nazis als »widerliche Büttel des Kapitalismus«.

1932 konnten die Gewerkschaften ihre Medienmacht noch in ihrem Sinne einsetzen. Getreu der Erkenntnis »Wissen ist Macht – Macht ist Wissen« investierten sie Ende der 20er Jahre mehr als 13 Millionen Reichsmark in Presse und Bildung, kaum weniger als in Arbeitskämpfe. Aber dem Wissen folgten keine Taten.

Am 20. Juli 1932, beim sogenannten »Preußenschlag«, der Absetzung der gewählten und SPD-geführten preußischen Regierung durch eine Notverordnung des Reichspräsidenten Hindenburg, verzichteten die Gewerkschaften auf jede Gegenwehr. Goebbels notierte am 21. Juli 1932 in seinem Tagebuch: »Alles rollte wie am Schnürchen ab. Die Roten beseitigt. Ihre Organisationen leisteten keinen Widerstand. Der Generalstreik unterbunden. Die Roten haben ihre große Stunde verpaßt. Die kommt nie wieder.«



















  

2 2016 09 gesellschaft
ver.di: publik 2/2016, S.9
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1933 04 22 korrespondent detail
Anpassungskurs: Aufruf zur Teilnahme am nationalsozialistischen 1. Mai | aus: Korrespondent vom 22. April 1933; Quelle: Bibliothek der FES
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Bereits am 4. Februar 1933 – wenige Tage, nachdem Hitler mit der NSDAP legal an die Macht gebracht worden war – beseitigte Hindenburg grundlegende demokratische Rechte mit der Notverordnung »Zum Schutze des Deutschen Volkes«. Die Liste der verbotenen Zeitungen, besonders derer der Gewerkschaften, war lang. Nach dem Reichstagsbrand wurde auch der Korrespondent für zwei Wochen verboten. Am 5. März fanden die letzten Reichstagswahlen statt. Die Gewerkschaften hatten gehofft, die NSDAP-geführte Regierung würde abgewählt. Es geschah das Gegenteil. Und die Gewerkschaften wurden stiller.

Sturm auf die Gewerkschaftshäuser

Umso heftiger wüteten die Nazis. Laut Protokoll des Bezirks I der Berliner Buchdrucker vom 14. März 1933 berichtete der 2. Vorsitzende des Buchdruckerverbands, Richard Barth, von »den erfolgten Aktionen gegen die Gewerkschaften seit dem 30. Januar und insbesondere seit dem 28. Februar d. J. So sind die Nürnberger Büros vernichtet. Parteihaus in Kaiserslautern brennt. Bochumer Druckerei des Bergarbeiter-Verbands vor Husemanns Augen zerstört. … In Leipzig ist das Volkshaus besetzt. In Königsberg sind das Otto-Braun-Haus und das Gewerkschaftshaus besetzt«.

Bei den Betriebsratswahlen im März erreichten die Vertreter der Freien Gewerkschaften nahezu 75 Prozent, die NS-Betriebsorganisationen kamen auf zwölf Prozent. Daraufhin wurden die Wahlen abgesetzt. Die meisten Gewerkschaften hielten weiter still. Erstes Gebot für die Mitglieder, so hieß es in Flugblättern, sei jetzt, »kühles Blut und Besonnenheit« zu bewahren. Obwohl ADGB und Einzelgewerkschaften bei der Vorbereitung des 1. Mai 1933 bereits entmachtet und ausgegrenzt waren, riefen sie dazu auf, an den von den Nazis organisierten Massenaufmärschen zum »Feiertag der Nationalen Arbeit« teilzunehmen. [siehe Faksimile]

1933 04 22 korrespondent detail
Anpassungskurs: Aufruf zur Teilnahme am nationalsozialistischen 1. Mai | aus: Korrespondent vom 22. April 1933; Quelle: Bibliothek der FES
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1933 05 12 korrespondent detail 2
Zerschlagung | Bericht über die Besetzung des Buchdruckerhauses –Korrespondent vom 12. Mai 1933 (Quelle: Bibliothek der FES)
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Auf die Unterwerfung folgten am 2. Mai 1933 der Sturm auf die Gewerkschaftshäuser, Entlassungen und Verhaftungen und die Beschlagnahme der Gelder. Die meisten Zeitungen wurden verboten; einige wenige gleichgeschaltet, also dem »Presse- und Propagandaleiter« des nationalsozialistischen »Aktionskomitees zum Schutz der deutschen Arbeit« unterstellt. Sie sollten die Gewerkschaftsmitglieder an die Nazis binden. Die freien Gewerkschaften hatten aufgehört zu bestehen. [siehe Faksimile]

Dennoch gelang es vielen Mitgliedern im Untergrund und vom Ausland aus, die Stimme gegen den Faschismus nicht verstummen zu lassen. Sie trafen sich unter Vorwänden, bildeten Netzwerke, druckten Flugblätter und verteilten sie, leisteten Kurierdienste, unterstützten Verfolgte. Sie widerstanden und leisteten Widerstand. Viele bezahlten das mit ihrem Leben.

CONSTANZE LINDEMANN
aus: publik 2/2016


























1933 05 12 korrespondent detail 2
Zerschlagung | Bericht über die Besetzung des Buchdruckerhauses –Korrespondent vom 12. Mai 1933 (Quelle: Bibliothek der FES)
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Rudi Arndt
Erich Knauf
Gertrud Petzold
Berta Wurche

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Rudi arndt
Diese Fotos machte die Gestapo von Rudi Arndt, als er im Herbst 1933 zum zweiten Mal von den Nazis verhaftet wurde. | Quelle: Bundesarchiv
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Rudolf Arndt war der Sohn einer jüdischen Lehrerfamilie in Berlin. 1927 begann er eine Schriftsetzerlehre, die er bei der »Berliner Anschlag- und Reklamewesen-Gesellschaft« abschloss. Von 1924 bis 1926 war Arndt Mitglied der zionistischen Jugendbewegung. 1927 trat er in den Buchdruckerverband ein und schloss sich dort der kommunistischen Fraktion der Lehrlingsabteilung an. Seit 1928 war er auch im Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD) aktiv.

Im April 1931 wurde Rudi Arndt zusammen mit 67 weiteren Angeklagten vom Reichsgericht wegen »antimilitaristischer Propaganda« angeklagt und zu zweieinhalb Jahren Festungshaft verurteilt. Nach seiner Entlassung fand er keine Arbeit, er ging ins Ruhrgebiet, kehrte aber 1933 wieder nach Berlin zurück.

Als Leiter des illegalen technischen Apparats des KJVD wurde er schon im Herbst des Jahres 1933 erneut festgenommen, und am 15. Oktober 1934 verurteilte der Volksgerichtshof ihn und vier andere Oppositionelle wegen der »Vorbereitung zum Hochverrat«. [siehe Faksimile]

Am Ende seiner dreijährigen Haft im Zuchthaus Brandenburg wurde Rudi Arndt erst in die Konzentrationslager Sachsenhausen und Dachau und dann ins KZ Buchenwald verschleppt. In den Konzentrationslagern setzte er sich besonders für jüdische und jugendliche Mitgefangene ein.

Als Kapo, also von der SS eingesetzte Aufsicht, eines speziell für Juden geschaffenen Reviers hat er in Buchenwald, wie Überlebende berichteten, hunderten Menschen das Leben gerettet. Mit Hilfe anderer Häftlinge besorgte er Medikamente und hielt die SS-Ärzte fern. In dem ihm später unterstellten Block 22 ermutigte er Mithäftlinge, Gedichte und Lieder zu schreiben. Es gelang ihm, ein Streichquartett ins Leben zu rufen, das vor den Gefangenen spielte. Er organisierte regelmäßig geheime Sitzungen unter den Kommunisten und versorgte polnische Juden, die die SS im sogenannten »kleinen Lager« verhungern lassen wollte, mit zusätzlichen Essensrationen.

Die Aktionen von Rudi Arndt wurden denunziert, die SS peitschte ihn aus und schickte ihn zur Arbeit in den Steinbruch. Um nichts zu verraten, lief er am
3. Mai 1940 bewusst in eine Postenkette der KZ-Bewacher und wurde erschossen.

Die Berufsschule für Polygraphie
in Ostberlin bekam 1957 den Namen Rudi Arndt.


Rudi arndt
Diese Fotos machte die Gestapo von Rudi Arndt, als er im Herbst 1933 zum zweiten Mal von den Nazis verhaftet wurde. | Quelle: Bundesarchiv
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Erichknauf stolperstein
»Stolperstein« vor dem ehemaligen Verbandshaus der Deutschen Buchdrucker | Quelle: Wikimedia
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Erich Knauf, 1895 als ältestes von vier Kindern in einer Schneiderfamilie in Meerane in Sachsen geboren, musste nach Schriftsetzerlehre und anschließender Wanderschaft 1914 als Soldat in den ersten Weltkrieg. 1920 war er bei der Zerschlagung des Kapp-Putsches im Raum Jena aktiv. Das Mitglied der USPD arbeitete für die Thüringer Presse. Als verantwortlicher Feuilletonredakteur bei der Plauener Volkszeitung für das Vogtland, gab er seinem Freund Erich Ohser (e.o.Plauen) Raum, Zeichnungen und Karikaturen zu veröffentlichen. Als Erich Kästner zu dem Freundesbund dazukam, wurden sie zu den »drei Erichs«.

Die Büchergilde Gutenberg, 1924 vom Verband Deutscher Buchdrucker gegründet, ernannte Erich Knauf 1928 zum leitenden Lektor. Er band eine jüngere Schriftstellergeneration an die Büchergilde, veröffentlichte seinen Reportage-Roman aus der Zeit des Kapp-Putsches »Ça ira!« und verlegte zahlreiche Kunstbücher und Künstlerporträts.

Nach dem Sturm auf die Gewerkschaftshäuser am 2.Mai 1933 hielt sich Erich Knauf als freier Journalist über Wasser. Seine Rezension der Oper Carmen, die 1934 im 8-Uhr-Blatt erschien, erregte das Missfallen von Göring und brachte ihn für mehrere Wochen in die KZs Oranienburg und Lichtenburg.
 
Aus dem Reichsverband der Deutschen Presse ausgeschlossen, wurde er trotzdem bei der »Terra-Film« 1936 als Pressechef eingestellt. 1938 heiratete er Erna Donath, die bei der Büchergilde seine Sekretärin gewesen war. Er traf Erich Ohser wieder. Als beide 1943 ausgebombt wurden und ihre Familien außerhalb von Berlin untergebracht hatten, zogen sie zusammen in das Haus eines befreundeten Arztes in Kaulsdorf. Obwohl sie vor dem im Haus wohnenden Hauptmann Schultz gewarnt wurden, erzählten sie einander auch im Luftschutzkeller politische Witze, sehr laut, denn Erich Ohser war schwerhörig. Schultz denunzierte sie Anfang 1944. Die beiden Freunde wurden verhaftet und vor dem Volksgerichtshof wegen »defätistischer Äußerungen« angeklagt. Erich Ohser beging in der Nacht vor dem Prozess Selbstmord. Erich Knauf wurde am 2. Mai 1944 in Brandenburg-Görden hingerichtet.

2014 wurde anlässlich einer Ausstellung zum 90jährigen Jubiläum der Büchergilde Gutenberg in der ver.di MedienGalerie Berlin vor dem ehemaligen Verbandshaus der Deutschen Buchdrucker ein Stolperstein für Erich Knauf verlegt.

Erichknauf stolperstein
»Stolperstein« vor dem ehemaligen Verbandshaus der Deutschen Buchdrucker | Quelle: Wikimedia
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Petzoldgertrud landesarchivberlin
Gertrud Petzold | Landesarchiv Berlin
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Die Berlinerin Gertrud Petzold wurde durch ihre »Eltern schon als Kind zum Sozialismus erzogen«, wie sie 1945 in einem Lebenslauf schrieb. 1888 begann sie, als Bogenanlegerin im Buchdruck zu arbeiten. Zu dieser Zeit konnten sich Frauen und Hilfsarbeiter im graphischen Gewerbe noch nicht gewerkschaftlich organisieren. Doch schon auf einer Versammlung am 5. März 1890 gründeten die Druckerei-Hilfsarbeiterinnen den Verein der Arbeiterinnen an Buch- und Steindruck-Schnellpressen. Noch während der Gründungssitzung traten 170 Kolleginnen dem Verein bei. Gertrud Petzold gehörte zu den ersten Anlegerinnen, die sich organisierten. »Als junges Mädchen«, wie sie selbst schrieb, wurde sie Mitglied und beteiligte sich »viel an Gewerkschaftsversammlungen«.

1918 trat sie in die ein Jahr zuvor gegründete Unabhängige Sozialdemokratische Partei (USPD) ein und wechselte 1920 in die KPD. In diesen Jahren arbeitete sie in der Buchdruckerei Georg Beyer. Sie blieb gewerkschaftlich organisiert und war Mitglied im Betriebsrat.

Gertrud Petzold war verheiratet gewesen und hatte sich scheiden lassen. Sie wohnte im Berliner Arbeiterbezirk Friedrichshain und war von 1920 bis 1936 in der KPD-Parteigruppe Friedrichshain II und in der Roten Hilfe aktiv. Nach 1933 beteiligten sich die Mitglieder an illegaler Arbeit. Gertrud Petzold berichtete nach dem Krieg, dass sie Flugblätter und illegale Zeitungen in den Häusern verteilten. Sie sammelte Geld und Kleider für Kinder von Inhaftierten und zahlte dafür auch selbst Geld ein.

Doch am 30. März 1936 flog die illegale Arbeit auf, Gisela Petzold wurde verhaftet. Gemeinsam mit sieben anderen Aktiven wurde sie wegen der »Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens« angeklagt und am 3. März 1937 zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Anfang Juli 1937 hatte sie die Strafe verbüßt. Nach ihrer Entlassung unterstützte sie inhaftierte Genossen mit Lebensmitteln und beteiligte sich, wie sie sagte, an der »Kleinarbeit«.

Nach 1945 wurde ihre Arbeit in der DDR als »antifaschistische Widerstandsarbeit« anerkannt. Hochbetagt zog sie mit offizieller Genehmigung im Oktober 1961 zu ihrer Tochter nach Westberlin. Daraufhin wurde ihr die »Medaille für Kämpfer gegen den Faschismus 1933-1945« von der DDR aberkannt.



  

Petzoldgertrud landesarchivberlin
Gertrud Petzold | Landesarchiv Berlin
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Wurcheberta bundesarchiv
Berta Wurche | Bundesarchiv
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Berta kam als Kind mit ihren Eltern nach Berlin. Nach der Schule wurde sie als Falzerin angelernt. Sie arbeitete bei der Otto Elsner AG und war dort von 1921 bis 1923 im Betriebsrat. Seit 1911 war sie im Verband der Buchbinder und Papierverarbeiter gewerkschaftlich organisiert.

Nach dem Buchdruckerstreik 1923 wurde sie bei Elsner entlassen, im Buchbinderverband 1927 aber trotzdem als ehrenamtliche Funktionärin gewählt. 1928 trat sie in die SPD ein, sie arbeitete in der Druckerei des Metallarbeiterverbandes.

Dass sie sich an Geldsammlungen der Nazis im Betrieb nicht beteiligte, kostete sie 1933 ihre Stelle. Sie fand danach wieder Arbeit im Reichsamt für Landesaufnahme. Auch dort verweigerte sie sich den Sammlungen der Nazis, sie wurde zudem als ehemalige Gewerkschaftsfunktionärin denunziert. Die Folge war 1939 erneut der Verlust ihres Arbeitsplatzes. 1938 hatte sie geheiratet. Ihr Mann, der den Dienst bei der Wehrmacht verweigert hatte, wurde noch in den letzten Kriegstagen in Berlin von der SS erschossen.
 
Schon seit 1933 war Berta Wurche in der illegalen antifaschistischen Arbeit aktiv. Sie setzte das auch während der Kriegsjahre fort, knüpfte Verbindungen zu Willi Stoph und Bruno Mahlow, einem Buchdrucker, der der Reichsleitung der Revolutionären Gewerkschaftsopposition Grafik angehörte. Sie arbeitete mit dem Buchdrucker Paul Israel zusammen, der in der Reichsdruckerei beschäftigt war und Kontakte zum Ausland hielt, beschaffte wichtige Papiere wie Karten der Wehrmacht, organisierte aber auch Quartiere und Lebensmittelkarten für illegal lebende Antifaschisten. Ab Juli 1944 gehörte sie der Jacob-Saefkow-Bästlein-Gruppe an. Sie verbreitete Flugblätter und Informationsmaterial. Ihre Tätigkeit wurde nie aufgedeckt, so konnte sie die Nazizeit überstehen.

Nach dem Krieg arbeitete Berta Wurche als Sachbearbeiterin der Industriegewerkschaft Graphisches Gewerbe im Gewerkschaftshaus in der Berliner Wallstraße.

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Berta Wurche | Bundesarchiv
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Die Gründungsgewerkschaften | ver.di-Archiv
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Deutschland war zum Ende des letzten Jahrhunderts geprägt vom Wandel in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft, auch Inhalte und Formen der Arbeit änderten sich. Die Gewerkschaften waren gefordert: Die Interessenvertretung im privaten und öffentlichen Dienstleistungsbereich und der dienstleistungsnahen Industrie musste weiterentwickelt werden. Allen Gewerkschaften, die in diesen Bereichen Mitglieder organisierten, war das klar. Hierzu zählten die dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) angeschlossenen Deutsche Postgewerkschaft (DPG), Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV), Industriegewerkschaft Medien (IG Medien) und Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV). Aber auch die außerhalb des DGB agierende Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) war zu dieser Erkenntnis gelangt.

Die Idee war im Raum, nur wie sollte sie umgesetzt werden? Eine »Gemeinsame Erklärung«, die die Vorsitzenden der genannten Gewerkschaften am 4. Oktober 1997 in Hamburg unterzeichneten, legte die Grundlage. Es folgte ein jahrelanger breit angelegter Diskussionsprozess, in dem teilweise hart gerungen wurde um die künftige Organisationsstruktur und um programmatische wie tarifpolitische Positionen. Gesteuert wurde dieser Prozess von einem Lenkungsausschuss, dem die Vorsitzenden und einzelne Vorstandsmitglieder der beteiligten Gewerkschaften angehörten.
Als erstes erarbeitete der Lenkungsausschuss einen Entwurf einer »Politischen Plattform« mit dem Untertitel: »Zur Neustrukturierung der gewerkschaftlichen Interessenvertretung im Dienstleistungsbereich, in der dienstleistungsnahen Industrie, im Medien-, Kultur- und Bildungsbereich«. Im Juni 1998 folgte die »Ideenskizze«, mit der er seine Überlegungen zur Struktur der neuen Gewerkschaft zur Diskussion stellte. In dieser Phase entschied die GEW, sich nicht länger an den Gesprächen über eine neue Dienstleistungsgewerkschaft zu beteiligen.

DAG, DPG, HBV, IG Medien und ÖTV ließen sich davon nicht irritieren. Sie arbeiteten weiter an dem Projekt, diskutierten über die »Zukunft der Arbeitsgesellschaft – Zukunft der Dienstleistungen – Risiken und Chancen für die neue Gewerkschaft« und legten schließlich im Februar 1999 den Entwurf »Eckpunkte des Zielmodells der neuen Gewerkschaft« zur Diskussion vor. Danach sollte der organisatorische Aufbau der neuen Gewerkschaft einer Matrixstruktur entsprechen: regionale Gliederung in drei Ebenen und berufsbezogene Einteilung in 13 Fachbereiche. Damit bekam die neue Gewerkschaft erste Konturen, im März 1999 dann auch den Namen: »ver.di – Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft«. In einem Wettbewerb waren mehr als 8.000 Namens-Vorschläge eingegangen, vier Gewerkschaftsmitglieder hatten unabhängig voneinander ver.di vorgeschlagen.

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Die Gründungsgewerkschaften | ver.di-Archiv
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Abstimmung auf dem ver.di-Gründungskongress | ver.di-Archiv
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Im weiteren Verlauf des Prozesses wurde entschieden, dass die Verschmelzung von DAG, DPG, HBV, IG Medien und ÖTV nach dem Umwandlungsgesetz erfolgen und dass eine Gründungsorganisation ver.di (Go-ver.di) den weiteren Prozess steuern soll. Im Dezember 1999 kamen dann Vertreterinnen und Vertreter der DAG, DPG, HBV, IG Medien und ÖTV zur konstituierenden Mitgliederversammlung der Go-ver.di in Hamburg zusammen und verabschiedeten dort die Satzung der Go-ver.di.

Jetzt wurde das »ver.di-Haus« gebaut, die Satzung entworfen, Berlin als künftiger Sitz festgelegt. Doch während Vorstand und Mitgliederversammlung der Go-ver.di diskutierten und entschieden, wurden vor allem bei der ÖTV Bedenken laut. So kam es dazu, dass die Go-ver.di-Mitgliederversammlung über die Möglichkeit einer Auffanglösung (Vier-plus-Eins-Modell) nachdachte für den Fall, dass eine Gewerkschaft nicht die erforderliche Mehrheit für ver.di erhalten sollte.

Beim Gewerkschaftstag der ÖTV Anfang November 2000 in Leipzig stimmten dann auch nur 62,4 Prozent der Delegierten für den ver.di-Antrag. Für den damaligen ÖTV-Vorsitzende Herbert Mai zu wenig, er verzichtete auf eine erneute Kandidatur. Daraufhin stellte Frank Bsirske sich zur Wahl: Mit fast 95 Prozent der Stimmen wurde er gewählt – obgleich er keinen Zweifel daran ließ, an ver.di festhalten zu wollen.

Die entscheidenden Sitzungen sollten noch kommen: die Verschmelzungskongresse, bei denen jede der fünf Gewerkschaften mit dem in ihrer Satzung vorgeschriebenen Quorum ihre Selbstauflösung und Verschmelzung zur ver.di beschließen musste. Sie fanden vom 16. bis 18. März 2001 in Berlin statt.

Wie würden die Delegierten der ÖTV entscheiden? 474 von 541 votierten für ver.di, das waren 87,1 Prozent und damit deutlich mehr als das Quorum von 80 Prozent. »Mit großem Jubel haben die Delegierten der ÖTV am Freitag auf die deutliche Mehrheit für die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi reagiert«, stand tags drauf im »Tagesspiegel« zu lesen. Ähnlich hoch lagen die Ergebnisse auch bei den anderen vier Gründungsgewerkschaften: bei der DAG waren es 89,3 Prozent, bei der DPG 91,4 Prozent, bei der HBV 84,4 Prozent und der IG Medien 80 Prozent.

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Abstimmung auf dem ver.di-Gründungskongress | ver.di-Archiv
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Der auf dem Gründungskongress gewählte Vorstand | ver.di-Archiv
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Unmittelbar danach, vom 19. bis 21. März, fand der Gründungskongress der ver.di im Berliner Kongresszentrum ICC statt. Hier unterzeichneten die Vorsitzenden der Gewerkschaften Kurt van Haaren (DPG), Detlef Hensche (IG Medien), Roland Issen (DAG), Margret Mönig-Raane (HBV) und Frank Bsirske (ÖTV) voller Stolz die ver.di-Gründungsurkunde. Mit 95,9 Prozent wählten die Delegierten in einer Blockwahl den ver.di-Bundesvorstand und Frank Bsirske zum ersten ver.di-Vorsitzenden.

Ehrengast Bundespräsident Johannes Rau zeigte sich in seinem Grußwort sichtlich beeindruckt. Er stellte unter dem Beifall der Delegierten fest: »Sie schreiben heute Gewerkschaftsgeschichte. Dazu gratuliere ich von Herzen.« Für ihn war der Zusammenschluss »eine großartige Leistung«. Er sagte: »Ich weiß: Viele haben über ihren Schatten springen müssen, um eine Organisation aufzugeben, die ihnen in Jahren oder gar Jahrzehnten ans Herz gewachsen ist. ver.di ist ein Sieg der Vernunft.«

Am 2. Juli 2001 wurde ver.di dann in das Vereinsregister eingetragen und trat somit die rechtliche Nachfolge ihrer Gründungsorganisationen an. Einen Tag später wurde ver.di neues Mitglied im DGB.

Dr. Hartmut Simon

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Der auf dem Gründungskongress gewählte Vorstand | ver.di-Archiv
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Die Vorsitzenden der Gründungsgewerkschaften

Roland Issen (DAG), Kurt van Haaren (DPG), Margret Möning-Raane (hbv), Detlef Hensche (IG Medien), Frank Bsirske (ötv)

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Kapitel 1 Kapitelübersicht

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Kapitel 8 Das Haus der Buchdrucker in Berlin

Das Buchdruckerhaus in Berlin

1926 001 ausschnitt
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